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book 4835623 1280Im Jahr 2019/2020 haben wir bereits eine Bibelleseaktion unter dem Motto "5x5x5" durchgeführt: in einem Jahr ging es dabei durch das komplette Neue Testament. Nun ist es Zeit für eine Fortsetzung! Im Jahr 2022 wollen wir erneut unter dem Motto "5x5x5" uns der Bibel zuwenden, um dieses Mal wichtige Teile des Alten Testaments zu lesen.

 

 Worum geht es?

Bibellesen ist genauso wichtig wie essen. Schließlich sagt Jesus: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Mt 4,4). Doch leider ist es nicht so einfach. Oder doch? Vielleicht, wenn man es gemeinschaftlich versucht?!

Wir als EFG Borken wollen in einem Jahr gemeinsam wichtige Teile des Alten Testaments lesen! Dazu nehmen wir uns vom 1. Januar 2022 bis zum 31. Dezember 2022 an 5 Tagen der Woche jeweils 5 Minuten Zeit für ein Kapitel. Zur Vertiefung gibt es 5 Wege, sich mit dem gelesenen Text auseinanderzusetzen.

Warum sollte ich mitmachen?

Es gibt viele gute Gründe, regelmäßig die Bibel zu lesen und sich dieser Aktion anzuschließen:

  1. Gott erkennen und Gemeinschaft mit ihm erfahren

Die Bibel ist Gottes Wort, das heißt seine einzigartige Mitteilung an uns. Gott offenbart (zeigt) sich dadurch den Menschen und er redet dadurch auch ganz persönlich zu dir. Wenn du Gott erkennen und eine intensive Beziehung zu ihm haben willst, musst du ihn zu dir reden lassen und auf sein Wort hören.

  1. Jesus ist das Wort

Am Anfang des Johannesevangeliums heißt es über Jesus, dass er das fleischgewordene Wort Gottes ist. Jesus und die Bibel sind untrennbar eins. Du kannst Jesus nur annehmen und lieben, wenn du die Bibel annimmst und liebst. Mehr Bibel im Leben, bedeutet mehr Jesus im Leben.

  1. Die Bibel ist vom Heiligen Geist

Der Heilige Geist ist nicht wie ein Gespenst, das irgendwo geheimnisvoll umherhuscht. Nein, der Heilige Geist hat uns etwas ganz Handfestes gegeben: Er hat die Bibel „inspiriert“, das heißt die Schreiber der Bibel 100% geleitet, so dass sie Gottes Worte an uns – unter Verwendung ihres persönlichen Stils und ihrer Eigenheiten – zuverlässig aufschreiben konnten. Wollen wir vom Heiligen Geist geleitet und erfüllt sein, müssen wir uns von der Bibel leiten und erfüllen lassen.

  1. Die Bibel ist Gottes Nahrung für uns

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Mt 4,4). Die Bibel ist die Nahrung für unsere Seele. Ohne sie verhungern wir geistlich oder erleiden schwere Mangelerscheinungen.

  1. Die Bibel ist Gottes Licht für uns

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“ (Ps 119,105). Ohne Bibel tappen wir im Dunkeln und gehen in die Irre, was den Sinn und das Ziel unseres Lebens betrifft. Mit der Bibel haben wir den Durchblick für unser Leben.

  1. Die Bibel ist Gottes Kraft für uns

An vielen Stellen sagt die Bibel, dass Gottes Wort ungeheure Kraft hat (z.B. Jer 23,29). So rief Gott allein durch sein Wort das ganze Universum ins Dasein. Wir selbst können uns nicht zum Guten verändern, aber Gottes Wort kann das bewirken.

Warum sollte ich speziell das Alte Testament lesen?

Für die meisten Menschen ist das Alte Testament schwerer zugänglich als das Neue Testament. Warum sollte man diesen Teil der Bibel dennoch lesen?

  • Das Neue Testament ist ohne das Alte Testament kaum zu begreifen. Das Lesen des Alten Testaments hilft uns also, das Neue Testament und auch das Evangelium besser zu verstehen.
  • Das Alte Testament schildert die ganze Bandbreite unserer menschlichen Erfahrungen. Offen und häufig ziemlich schonungslos werden unsere menschlichen Hoffnungen, Sehnsüchte und auch Probleme angesprochen. Wer das Alte Testament liest, versteht sich selbst und die Menschheit insgesamt besser.
  • Das Alte Testament zeugt von Christus. Jesus selbst hat darauf hingewiesen, dass man ihn in den alltestamentlichen Schriften erkennen kann (vgl. Joh 5,39 + Lk 24,27). Bedenken wir auch, dass die Urgemeinde allein das Alte Testament hatte und dass sie in diesen Schriften Jesus erkannten und Wegweisung für ihren Weg als Gläubige bekamen.
  • Zuletzt: Die ganze Bibel - incl. des Alten Testaments - ist Gottes Wort. Sollten wir nicht das ganze Wort Gottes achten, schätzen und uns damit befassen?

Wie kann ich mitmachen?

Es wird einen Bibelleseplan (Klick zur Downloadseite) geben, der uns vom 1. Januar 2022 bis zum 31. Dezember auf abwechslungsreiche Weise durch das gesamte Neue Testament führt.

Nimm dir einen solchen Plan, deine Bibel und einen Stift und schon bist du vorbereitet. Reserviere fortan 5 Minuten in deinem Alltag für die Bibellese und – am wichtigsten – leg einfach los!

Auch hier auf unserer Internetseite wird es von Zeit zu Zeit neue Informationen zur Aktion geben.

Wie kann ich die Aktion noch unterstützen?

  • Mach anderen Mut, ebenfalls bei der Aktion mitzumachen!
  • Tauscht euch regelmäßig in euren Hauskreisen oder in einer Zweierschaft über eure Erfahrungen beim Bibellesen aus!
  • Bete, dass die Aktion gelingt und viele genug Motivation und Durchhaltevermögen haben!

Einführung 1Mose 1-11

Das Buch Genesis („Ursprung“) trägt auch den Namen 1Mose, da es gemäß der kirchengeschichtlichen Überlieferung und dem Zeugnis der Schrift von Mose verfasst wurde. Es ist das erste Buch der Bibel und stellt so gewissermaßen eine Einführung in die gesamte Heilige Schrift dar.

Das Ziel dieses Buches ist es, dem Leser die Schöpfung des Universums, sowie den Anfang der Menschheitsgeschichte darzustellen. Die Leser sollen Gott als Quelle und Ursprung des Lebens erkennen und begreifen, dass dieser eine persönliche Beziehung mit den Menschen wünscht, die er in seinem Ebenbilde geschaffen hat. Genesis besteht aus zwei Hauptteilen: Der erste Hauptteil, Kap. 1-11, beschreibt den Anfang der Geschichte der Menschheit. Der zweite Hauptteil, Kap. 12-50, schildert den Anfang der Geschichte Israels (sogenannte Patriarchengeschichte). Beide Hauptteile bauen aufeinander auf und sind miteinander verknüpft.

In den ersten zwei Kapiteln dieses Buches wird uns geschildert, wie Gott aus Dunkelheit und Chaos eine wunderbare Welt erschafft, in der es sich gut leben lässt. Besonderes Augenmerk wird auf die Erschaffung des Menschen gelegt, der als Gottes Vertreter – geschaffen in seinem Bilde – auf und über die Erde herrschen soll (1Mose 1,26-28). Dabei lässt Gott dem Menschen die Wahl, wie er diese Herrschaft ausübt. Für diese Wahl steht der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen (1Mose 2,17). Die Menschen müssen sich entscheiden: wollen sie Gottes Definition von Gut und Böse vertrauen oder Unabhängigkeit beanspruchen und selbst Gut und Böse definieren? Gott macht deutlich, dass die Auflehnung gegen ihn nicht weniger als den Tod in die Welt bringen würde.

In Kap. 3 tritt nun eine Schlange auf, die die Menschen mit einer anderen Botschaft konfrontiert. Sie widerspricht Gott und säht Zweifel an der Güte Gottes in das Herz der Menschen. Stattdessen stellt den Menschen für den Fall, dass sie vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen essen, etwas anderes in Aussicht: „Ihr werdet sein wie Gott“ (1Mose 3,5a). Die Folgen dieser Rebellion gegen Gott sind zahlreich: Die Menschen entfremden sich untereinander und auch von Gott. Ihr ganzes irdisches Leben wird von Mühsal geprägt sein und unweigerlich mit dem Tod enden (vgl. 1Mose 3,7ff). Doch schon hier auf dem ersten Tiefpunkt, gibt es einen Hoffnungsschimmer: Gott verheißt einen Retter, der die Quelle des Bösen besiegen wird (1Mose 3,15).

In den nachfolgenden Kapiteln wird uns nun geschildert, wie die Sünde weiter um sich greift. Da ist Kain, der seinen Bruder aus Eifersucht ermordet (Kap. 4). Wir finden weiter eine Abstammungslinie, die uns auf ernüchternde Art und Weise vor Augen führt, wie der Tod nun Normalität in Gottes Schöpfung geworden ist (Kap. 5). Schließlich ist die Bosheit auf Erden so groß geworden, dass Gott eine Sintflut schickt (Kap. 6-9). Er möchte mit seiner Schöpfung noch einmal neu anfangen. Dazu erwählt Gott mit Noah einen gottesfürchtigen Mann und seine Familie. Mit ihm schließt Gott einen Bund (1Mose) und wagt einen echten Neuanfang. Doch schlussendlich erweist sich auch Noah nicht als treu und die Sünde breitet sich erneut auf Erde aus. Diese Entwicklung gipfelt im sogenannten „Turmbau zu Babel“ – einem Sinnbild des menschlichen Hochmuts (Kap. 11).

Schlüsselvers: 26 Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. 27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ (1Mose 1,26-27)


 Vertiefung Lesewoche 1 (3.-7. Januar 2022): 1Mose 1-5

  1. Wieso zwei Schöpfungsberichte?

In den ersten beiden Kapiteln haben wir von der Erschaffung des ganzen Universums gelesen. Wir finden hier zwei sogenannte Schöpfungsberichte. Hartnäckig hält sich die irreführende Behauptung, dass wir hier zwei sich widersprechende Texte unterschiedlicher Herkunft vor uns hätten. Doch man fragt sich, warum dies zum Abfassungszeitpunkt nie niemandem aufgefallen ist und erst die moderne Forschung hier ein Problem feststellte?

Viel besser ist es, beide Texte (1,1-2,3 sowie 2,4-25) als zwei sich ergänzende Schöpfungsberichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufzufassen. Der erste Schöpfungsbericht hat dementsprechend die Schöpfung des ganzen Universums im Blick – er schildert uns Allgemeines. Der zweite Bericht konzentriert sich dagegen auf die Erschaffung der Menschheit – er stellt Details dar. Im Übrigen ist es in der hebräischen Literatur gar nicht unüblich, vom Allgemeinen zum Detail fortzuschreiten und auch Jesus hat beide Schöpfungsberichte als eine Einheit aufgefasst, wie uns Mt 19,4-6 aufzeigt.

  1. Erschaffen im Ebenbild Gottes – was heißt das?

Im Zuge der Erschaffung des Menschen ist entscheidend, dass dieser im Ebenbild Gottes geschaffen ist. Was das bedeutet, veranschaulicht folgende Tabelle:

Nur unklar in den ungläubigen Menschen

Deutlicher in den gläubigen Menschen

Klare Spiegelung in den gläubigen Menschen in der Ewigkeit

Der Mensch als Gottes Ebenbild ist ein unsterbliches Wesen

Verlangen nach ewigem Leben

Gewissheit des ewigen Lebens

Erfahrung des ewigen Lebens

Der Mensch als Gottes Ebenbild ist ein moralisches Wesen

Er hat eine Ahnung von Gut und Böse, will aber dennoch Böses tun

Er hat größere Erkenntnis von Gut und Böse und kämpft gegen die Sünde

Er wird von Sünde absolut befreit

Der Mensch als Gottes Ebenbild ist ein religiöses Wesen

Er erahnt, dass ein Gott existiert

Er vertraut Gott (mit Zweifel) und versucht Gott zu dienen

Er vertraut Gott vollkommen in Treue

Der Mensch als Gottes Ebenbild ist ein persönliches Wesen

Verstand, Gemütsbewegung, Wille

entwickelt sich in waagerechten Beziehungen zu Mitmenschen

Er versteht etwas von Gott

Er liebt Gott wankelmütig

Er will Gott gehorchen

Er versteht alles Notwendige von Gott

Er liebt Gott von ganzem Herzen – immer und ewig

Er will nur den Willen Gottes tun

Der Mensch geschaffen im Ebenbild Gottes. Welche Werte lassen sich darauf ableiten für eine Gesellschaft? Welche praktischen Folgerungen sollte man daraus ziehen für das alltägliche Miteinander?

  1. Der Sündenfall – Satans Verführung und Evas Reaktion

Satan benutzt in 1Mose 3 die Schlange, um Adam und Eva zur Sünde zu verführen. Bevor du weiterliest, schau dir doch  mal im Text an, in welchen Etappen und mit welchen Argumenten, Satan zur Sünde verführt.

  1. Satan sät Zweifel an Gottes Wort und verdreht es („sollte Gott gesagt haben“ 1Mose 3,1)
  2. Satan widerspricht Gottes Wort offen, unterstellt Gott eine Lüge und kommt mit einer neuen Botschaft („Ihr werdet keineswegs des Todes sterben“, 1Mose 3,4)
  3. Satan greift den Charakter Gottes an und behauptet, Gott wolle den Menschen etwas vorenthalten („ihr werdet sein wie Gott“, vgl. 1Mose 3,5)

Überlege doch mal, ob dies nicht vielfach nach wie vor die teuflische Methode ist, mit der auch wir zu Sünde verführt werden sollen…?!

Wie reagiert Eva auf diesen Versuch der Verführung?

  1. Eva hört zu und widerspricht nicht (1Mose 3,1-5). Wie hat dagegen Jesus auf die Versuchung des Teufels reagiert? (vgl. Mt 4,1-11)
  2. Eva sieht auf die Versuchung und denkt an die Möglichkeit Gott ungehorsam zu sein (1Mose 3,6a)
  3. Eva prüft die Behauptung Satans nicht und gibt ihrem Impuls zur Sünde nach (1Mose 3,6b)

Überlege doch mal, was du davon für deinen Umgang mit Versuchungen lernen kannst!

  1. Eine großartige Zusage – das Protoevangelium in 1Mose 3,15

Inmitten der traurigen Ereignisse rund um den Sündenfall, spricht Gott in seiner Gnade eine großartige Verheißung aus: „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“ (1Mose 3,15) Christen erkennen in diesem Vers einen deutlichen Hinweis auf Jesus Christus und sein befreiendes Wirken. Darum nennt man diesen Vers hier auch das „Proto-Evangelium“ (griech. protos = erstes), weil hier das erste Mal in der Schrift das Kommen des Erlösers anklingt.

Überlege doch mal, inwiefern durch Jesus Christus und sein Wirken die einzelnen Aussagen dieses Verses erfüllt werden!

  1. Folgen des Sündenfalls

In den letzten zwei Kapiteln, die wir diese Woche gelesen haben, finden wir die Folgen des Sündenfalls anschaulich vor Augen gemalt. Kap. 4 berichtet vom Brudermord, als Kain wegen seiner Eifersucht den eigenen Bruder erschlägt. Hier lohnt es sich darauf zu achten, wie ein Impuls im Herzen schließlich zur Tat werden kann. Ebenso ist beachtenswert, dass Gott Kain zwar straft, ihm gleichzeitig aber auch gnädig ist. Was sagt das eigentlich über das Wesen unseres Gottes aus?

In Kap. 5 lesen wir eine lange Liste von Namen. Ein jeder lebt sein Leben, doch am Ende steht der Tod. So ist die Realität in einer gefallenen Welt bis zum heutigen Tag. Welche Person sticht aus dieser langen Liste besonders heraus und was lehrt uns ihr Beispiel für unser Leben? Was wünschst du dir, dass nach deinem Tod von dir gesagt werden soll?


 Vertiefung Lesewoche 2 (10.-14. Januar 2022): 1Mose 6-9 + Psalm 1

  1. Wer sind die Gottessöhne in 1Mose 6?

Gleich zu Beginn begegnet und in 1Mose 6 eine rätselhafte Episode. „Gottessöhne“ ergriffen Besitz von den Töchtern der Menschen, wie sie wollten. Auch wenn es zu diesem Abschnitt unterschiedliche Ansichten gibt, so scheint mir doch am wahrscheinlichsten, dass es sich bei den Gottessöhnen um gefallene Engel handelt. Hiob 1,6 + 2,1 belegen, dass mit diesem Ausdruck Engel – und auch Satan selbst – bezeichnet wurde. In 2Petr 2,4-5 lesen wir folgendes: 4 Denn Gott hat selbst die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern hat sie mit Ketten der Finsternis in die Hölle gestoßen und übergeben, damit sie für das Gericht festgehalten werden; 5 und hat die frühere Welt nicht verschont, sondern bewahrte allein Noah, den Prediger der Gerechtigkeit, mit sieben andern, als er die Sintflut über die Welt der Gottlosen brachte“ Für die gefallenen Engel gibt es folglich – anders als für uns Menschen – keine Möglichkeit der Erlösung. Sie sind verloren, wie auch im Judasbrief bestätigt wird (Jud 6). Sollte im Lichte dieser Tatsache nicht unsere Dankbarkeit unserem Erlöser gegenüber weiter wachsen?

  1. Die Sintflut

Im Grunde liefern schon 1Mose 4-5 Gründe für die Sintflut. In 1Mose 6 werden die Ursachen nun offen benannt. Welche Gründe findest du im Text von 1Mose 6 dafür, dass Gott eine Sintflut schicken will? Inwiefern zeigt sich auch hier – trotz des angekündigten Gerichtshandeln Gottes – seine Gnade? Und in welcher Weise handelt Noah in diesem Abschnitt wirklich vorbildlich (beachte 1Mose 6,22)?

Kapitel 7,1-8,14 schildern nun die eigentliche Sintflut. Dem aufmerksamen Leser entgeht in diesen Versen nicht, dass die Bibel ausdrücklich von einer globalen Flut spricht (1Mose 7,4.21). Gott reinigt seine gute Schöpfung von allem Bösen, das die Menschen über sie gebracht haben. Nach der Sintflut gibt es einen echten Neubeginn – ja es gibt tatsächlich auffällige Parallelen zur Schöpfung. So gibt es erneut den Auftrag, die Erde zu füllen (1Mose 9,1) bzw. fruchtbar zu sein (1Mose 8,17). Was sonst noch auffällt, ist die Erlaubnis Gottes, dass die Menschen fortan Fleisch verzehren dürfen (1Mose 9,3), sowie die Erlaubnis (oder ist es eher eine Anordnung?) der Todesstrafe (1Mose 9,6). Aus letzterem spricht sicherlich die Hochachtung des menschlichen Lebens aus Gottes Sicht.

Besonders beachtlich ist natürlich der Bund, den Gott nach der Flut mit Noah schließt. Dies ist ein einseitiger Bund (Gnadenbund), in dem sich allein Gott der ganzen Menschheit auf ewige Zeiten hin verpflichtet: „Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen 10 und mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren des Feldes bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, was für Tiere es sind auf Erden. 11 Und ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass hinfort nicht mehr alles Fleisch verderbt werden soll durch die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe.“ (1Mose 9,9-11) Ja, auch wir Menschen heute können das Zeichen dieses Bundes immer wieder am Himmel betrachten. Gott verpflichtet sich an dieser Stelle der Menschheit, obwohl sich trotz der Sintflut am Herzenszustand der Menschen nichts geändert hat. Bedenken wir, dass die göttliche Diagnose über das menschliche Herz nach der Sintflut die gleiche ist wie vor der Sintflut (vgl. 1Mose 6,5 bzw. 1Mose 8,21). Das zeigt uns zweierlei: erstens die atemberaubende Größe von Gottes Güte und Gnade! Und zweitens, dass die Sintflut nicht die Lösung war. Es braucht eine andere Rettung, um das Menschengeschlecht von ihrer Sünde und Bosheit zu befreien.

  1. Psalm 1 – Tor zum ganzen Psalter

Der erste Psalm ist gewissermaßen die Einführung oder das Tor zum ganzen Buch der Psalmen. Es werden uns in diesen sechs Versen zwei Wege gegenübergestellt. Da ist der Weg der Frommen (V. 1-3), der Bestand hat und fruchtbar ist. Und da ist auf der anderen Seite der Weg der Gottlosen (V. 4-5), der vergänglich ist. Psalm 1 will uns motivieren, mit der Weisheit des Psalters – ja mit der Wegweisung der ganzen Schrift – den ersten Weg zu beschreiten, damit wir unser Leben vom „Herrn bekannt“ führen (V. 6).


Einführung Jesaja 1-39

Das Buch des Propheten Jesaja gehört zu den bedeutendsten prophetischen Büchern des Alten Testaments. Dass auch für die ersten Christen dieses Buch von großer Wichtigkeit war, zeigt sich daran, dass Jesaja der mit Abstand meistzitierte Prophet im NT ist (über 60 Mal, sowie viele weitere inhaltliche Bezüge).

Der Prophet Jesaja selbst lebte im Südreich in Jerusalem und Umgebung. Seine Dienstzeit erstreckte sich über die Regierungszeit von vier Königen Judas: Usija, Jotam, Ahas und Hiskia (Jes 1,1). Jesaja wurde vermutlich ca. 739 v. Chr. zum Propheten berufen (vgl. Jes 6). Die letzten Berichte von seinem Wirken stammen aus der Zeit des Einfalls Sanheribs in Jerusalem (vgl. Jes 36-39). Jesaja wirkte also rund 40 Jahre als Prophet – eine sehr lange Zeit. Nach jüdischer Überlieferung soll Jesaja schließlich zu Beginn der Regierungszeit von König Manasse, der 696 v. Chr. seine Herrschaft antrat, den Märtyrertod gestorben sein.

Das Buch Jesaja verfolgt zwei Hauptziele: einerseits ruft Jesaja sein Volk zu echter Buße um Umkehr. Zwar waren Usija, Jotam und Hiskia gute Könige, doch das geistliche Leben der meisten Menschen des Volkes war oberflächlich geworden. Man genoss die gute wirtschaftliche und militärische Situation des Landes und übersah, dass ein geistlicher Niedergang schon längst eingesetzt hatte. Dieser Niedergang zeigte sich besonders deutlich in der Herrschaft von König Ahas, einem der schlechtesten Könige Judas, der in seinem Götzendienst sogar vor grausamen Kinderopfern nicht zurückschreckte (vgl. 2Chr 28,3).

Das zweite Ziel des Buches Jesaja besteht darin, die zukünftige Rettung zu beschreiben. Jesaja verkündigt die Rettung der Juden aus der kommenden babylonischen Gefangenschaft. Er verweist außerdem auf die noch viel größere Rettung durch den leidenden Messias, der für die Sünden der Menschen sterben wird. Und zuletzt spricht Jesaja von dem neuen Himmel und der neuen Erde.

Das lange Buch Jesaja (66 Kapitel) gliedert sich in drei Hauptteile:

  1. Prophezeiungen über Gottes Gericht, Kap. 1-35
  2. Geschichtliche Ereignisse, Kap. 36-39
  3. Prophezeiungen über Gottes Rettung, Kap. 40-66

Der erste Hauptteil, um den es in dieser Einführung vor allem geht, kann noch weiter unterteilt werden: In den ersten zwölf Kapiteln geht es um Jesajas Vision vom Gericht über Jerusalem. Gott klagt sein abtrünniges Volk wegen ihrer Rebellion und ihrem Götzendienst an und kündigt sein Gericht an, das wie ein reinigendes Feuer alles Schlechte beseitigt (Kap. 1-2). Besonders wichtig ist das Berufungskapitel Jes 6, indem der Prophet selbst seine Sündhaftigkeit und die absolute Heiligkeit Gottes erkennt. Er erwartet, dass er selbst durch Gottes Heiligkeit vergehen würde, doch dies geschieht erstaunlicherweise nicht. Allerdings bekommt Jesaja den sehr schweren Auftrag seinem Volk das Gericht zu verkündigen. Der geistliche Niedergang seines Volkes ist bereits soweit fortgeschritten, dass dieses Gericht unabwendbar ist. In Kap. 7+8 wendet sich Jesaja gegen den bösen König Ahas und kündigt in diesem Zusammenhang – das ist ein Hoffnungszeichen – einen neuen König an, der in Gerechtigkeit herrschen wird (Jes 9,1ff + 11). So endet dieser Abschnitt in Kap. 12 erstaunlicherweise mit einem Danklied. Die Botschaft ist: Ja Gott wird Gericht halten, das wie ein reinigendes Feuer sein wird. Aber danach wird Gott etwas Gutes daraus erwachsen lassen.

In Kapitel 13-23 weitet sich der Blick Jesajas: Der Prophet beschreibt Gottes Gericht über die Weltmacht Babylon, dessen so Herrscher ungerecht, hochmütig und arrogant waren (Jes 14,13-14), dass Gott sie in den Untergang stürzen würde (Jes 14,19). Gleiches prophezeit der Prophet auch für die anderen Nachbarvölker Israels.

Kap. 24-35 nehmen anschließend Gottes Gericht über Jerusalem, Juda, Samaria und die ganze Welt in den Blick. Aber auch hier ist das Gericht nicht das letzte Wort, sondern es gibt Hoffnung (Kap. 35).

Die Kapitel 36-39 beschreiben abschließend einige historische Ereignisse: Den Angriff Assyriens auf Juda zur Zeit Hiskias (Kap. 36-38), sowie die Ankündigung des Angriffs durch Babylon, der sich etwa 100 Jahre späte ereignen sollte (Kap. 39).

Schlüsselvers: So kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der Herr. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden.“ (Jes 1,18)

 


Vertiefung Lesewoche 3 (17.-21. Januar 2022): 1Mose 10-11, Psalm 2, Jesaja 1-2

  1. Von Noah zum Turmbau zu Babel – 1Mose 10-11

Nach der sogenannten Völkertafel in 1Mose 10, die die Ausbreitung und Vermehrung der Menschen nach der Sintflut dokumentiert, folgt in Kapitel 11 die bekannte Geschichte vom Turmbau zu Babel. Technologischer Fortschritt ermöglicht jetzt offensichtlich die Errichtung großer Bauwerke. Aus geistlicher Perspektive ist die Motivation hinter dem Projekt das Problem: „damit wir uns einen Namen machen“ (1Mose 11,4). Streben nach Ruhm und Ehre, die allein Gott gebührt, ist immer Sünde. Gleichzeitig macht uns diese Geschichte auch deutlich, dass wir Menschen – egal wie fortschrittlich und begabt wir sind – niemals aus eigenen Anstrengungen „zum Himmel“ kommen (1Mose 11,4). Wir müssen das auch gar nicht, schließlich ist Gott in Christus selbst als Mensch auf diese Erde gekommen.  Ebenfalls nachdenkenswert ist die Verbindung zwischen Sprachverwirrung in 1Mose 11 und dem Sprachenwunder in Apg 2. Dort verstehen – durch das Wirken des Hl. Geistes – auf einmal wieder die Menschen einander, egal welche Muttersprache sie sprechen (vgl. Apg 2,7-11).

  1. Ps 2 – Hast du die richtige Sicht auf diese Welt?

Während es in Ps 1 um den Weg des Einzelnen geht, handelt Ps 2 von der Weltanschauung. Wir lesen davon, wie die Weltgeschichte einmal enden wird – dass sie nämlich dem Messias und seiner Herrschaft anvertraut wurde. Die implizite Frage ist: Hast du eigentlich die richtige Sicht auf diese Welt?

Zunächst beschreiben V. 1-3 unsere Welt so wie sie ist. Eine Welt voller Hass, Gewalt und Auflehnung gegen Gott. Wer die Nachrichten verfolgt, kann diese Diagnose nur bestätigen. Doch in V. 4-6 wird ein anderer Ton angeschlagen: Da ist eine Herrschaft voller Trost – die gute Herrschaft Gottes und seines Gesalbten – der trotz allem souverän – ja lachend – über diese Welt regiert.

V. 7-9 führen weiter aus, dass es Gottes Ratschluss ist, der bestimmt. Er hat den davidischen (aus dem Geschlecht Davids stammenden) König eingesetzt. Man studiere zu dieser eindeutig messianischen Stelle in V. 7 mal 2Sam 7,14, sowie Mt 3,17, Apg 2,32-33 und Hebr 1,3. Inwiefern wird das im Psalm Gesagte durch Jesus noch übertroffen?

In V. 10-12 finden wir schließlich das Schlussbild: Eine Welt, in der der Messias tatsächlich herrscht. Wie sollte man auf diese Herrschaft – die sich zukünftig manifestieren wird – am besten reagieren (V. 11)? Wie könnte das praktisch für dich aussehen?

  1. Altes und neues Jerusalem – Jes 1-2

In Jes 1,2-20 finden wir Gottes Anklage gegen sein Volk. Die Menschen haben sich in ihrer Rebellion von Gott abgewandt und dem Götzendienst und der Ungerechtigkeit zugewandt. Die Beweislage ist eindeutig: schuldig. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Jes 1,21-31 das Gericht Gottes über Jerusalem als unausweichliche Folge beschreibt. Und dennoch gibt es Hoffnung: Was in Jes 1,18 schon vorsichtig angedeutet wird, führt Jes 2 näher aus. Es wird ein „neues“ Jerusalem geben, in dem die Völker das Heil suchen, und indem nichts vom dem Schlechten und Minderwertigen des „alten“ Jerusalems mehr zu finden ist. Gottes Gericht kommt wie ein reinigendes Feuer. Wie werden wir heute eigentlich von unserer Ungerechtigkeit und Sünde gereinigt? Schau dir dazu doch mal die Predigt Johannes des Täufers an (Mt 3,1-12) und lies, was der Apostel Johannes empfiehlt (1Joh 1,5-10).

 

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