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 Worum geht es?

Bibellesen ist genauso wichtig wie essen. Schließlich sagt Jesus: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Mt 4,4). Doch leider ist es nicht so einfach. Oder doch? Vielleicht, wenn man es gemeinschaftlich versucht?!

Wir als EFG Borken wollen in einem Jahr gemeinsam das ganze Neue Testament lesen! Dazu nehmen wir uns vom 1. September 2019 bis zum 31. August 2020 an 5 Tagen der Woche jeweils 5 Minuten Zeit für ein Kapitel. Zur Vertiefung gibt es 5 Wege, sich mit dem gelesenen Text auseinanderzusetzen.

Warum sollte ich mitmachen?

Es gibt viele gute Gründe, regelmäßig die Bibel zu lesen und sich dieser Aktion anzuschließen:

  1. Gott erkennen und Gemeinschaft mit ihm erfahren

Die Bibel ist Gottes Wort, das heißt seine einzigartige Mitteilung an uns. Gott offenbart (zeigt) sich dadurch den Menschen und er redet dadurch auch ganz persönlich zu dir. Wenn du Gott erkennen und eine intensive Beziehung zu ihm haben willst, musst du ihn zu dir reden lassen und auf sein Wort hören.

  1. Jesus ist das Wort

Am Anfang des Johannesevangeliums heißt es über Jesus, dass er das fleischgewordene Wort Gottes ist. Jesus und die Bibel sind untrennbar eins. Du kannst Jesus nur annehmen und lieben, wenn du die Bibel annimmst und liebst. Mehr Bibel im Leben, bedeutet mehr Jesus im Leben.

  1. Die Bibel ist vom Heiligen Geist

Der Heilige Geist ist nicht wie ein Gespenst, das irgendwo geheimnisvoll umherhuscht. Nein, der Heilige Geist hat uns etwas ganz Handfestes gegeben: Er hat die Bibel „inspiriert“, das heißt die Schreiber der Bibel 100% geleitet, so dass sie Gottes Worte an uns – unter Verwendung ihres persönlichen Stils und ihrer Eigenheiten – zuverlässig aufschreiben konnten. Wollen wir vom Heiligen Geist geleitet und erfüllt sein, müssen wir uns von der Bibel leiten und erfüllen lassen.

  1. Die Bibel ist Gottes Nahrung für uns

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Mt 4,4). Die Bibel ist die Nahrung für unsere Seele. Ohne sie verhungern wir geistlich oder erleiden schwere Mangelerscheinungen.

  1. Die Bibel ist Gottes Licht für uns

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“ (Ps 119,105). Ohne Bibel tappen wir im Dunkeln und gehen in die Irre, was den Sinn und das Ziel unseres Lebens betrifft. Mit der Bibel haben wir den Durchblick für unser Leben.

  1. Die Bibel ist Gottes Kraft für uns

An vielen Stellen sagt die Bibel, dass Gottes Wort ungeheure Kraft hat (z.B. Jer 23,29). So rief Gott allein durch sein Wort das ganze Universum ins Dasein. Wir selbst können uns nicht zum Guten verändern, aber Gottes Wort kann das bewirken.

Wie kann ich mitmachen?

Es wird einen Bibelleseplan (Klick zur Downloadseite) geben, der uns vom 1. September 2019 bis zum 31. August 2020 auf abwechslungsreiche Weise durch das gesamte Neue Testament führt.

Nimm dir einen solchen Plan, deine Bibel und einen Stift und schon bist du vorbereitet. Reserviere fortan 5 Minuten in deinem Alltag für die Bibellese und – am wichtigsten – leg einfach los!

Wenn du möchtest und es dir hilft dranzubleiben, kannst du dich auch für unseren WhatsApp-Newsletter anmelden. Schicke dazu einfach eine kurze Textnachricht (z.B. „Hallo“) an die 01522 – 67 04 727 und speichere diese Nummer unter deinen Kontakten ab. In Zukunft erhältst du dann die Bibeltexte täglich zugeschickt (und wirst so an das Lesen erinnert) und hin und wieder die oder andere hilfreiche Information.

Auch auf unserer Internetseite wird es von Zeit zu Zeit neue Informationen zur Aktion geben.

Wie kann ich die Aktion noch unterstützen?

  • Mach anderen Mut, ebenfalls bei der Aktion mitzumachen!
  • Tauscht euch regelmäßig in euren Hauskreisen oder in einer Zweierschaft über eure Erfahrungen beim Bibellesen aus!
  • Berichte im Zeugnisteil unserer Gottesdienste von deinen Erlebnissen mit Gottes Wort!
  • Such das Gespräch mit anderen Mitlesern am Bibeltreff im Gemeindecafé
  • Bete, dass die Aktion gelingt und viele genug Motivation und Durchhaltevermögen haben!

 


Das Markusevangelium

Das Markusevangelium ist das kürzeste – und wie viele meinen älteste – der vier Evangelien. Es ist nach seinem Autor, Markus, benannt. Markus – eigentlich Johannes Markus – war zwar kein Apostel, aber er wohnte in Jerusalem und war den Aposteln bekannt (Apg 12,12). Auf der ersten Missionsreise begleitete er als Mitarbeiter Paulus und Barnabas zunächst, verließ sie dann aber wieder (Apg 13,13). Als sich Barnabas und Paulus über die weitere Mitarbeit des Markus stritten und sich wegen dieser Meinungsverschiedenheit trennten, ging Markus mit Barnabas nach Zypern (Apg 15,39). Später arbeitete Markus wieder mit Paulus zusammen und lernte Lukas kennen, der auch ein Mitarbeiter des Paulus war (Kol 4,10.14). Die altkirchliche Überlieferung berichtet uns außerdem davon, dass Markus auch eng mit Petrus (und zwar als dessen Dolmetscher) zusammenarbeitete. Viele Forscher nehmen darum an, dass das Markusevangelium zu großen Teilen auf Petrus Berichte und Erzählungen über das Leben Jesu zurückgeht. Wenn man um die enge Zusammenarbeit von Petrus und Markus weiß, verwundert es auch nicht, dass Petrus Markus „meinen Sohn“ (1Petr 5,13) nennt.

Das Markusevangelium lässt sich in zwei Hauptteile gliedern: Der erste Hauptteil 1,16-8,26 stellt die einzigartige Vollmacht Jesu durch seine Wunder und Lehre heraus. Dieser Hauptteil berichtet hauptsächlich von Jesu Dienst in Galiläa. Der zweite Hauptteil 8,27-16,20 beginnt bemerkenswerter Weise mit dem Bekenntnis des Petrus („Du bist der Christus“, vgl. 8,29). In diesem Hauptteil werden Zweifel an der Vollmacht Jesu thematisiert. Aber schließlich wird deutlich, dass Jesus gerade durch sein Leiden und Auferstehen seine Vollmacht eindrücklich bestätigt. Geographisch finden die meisten Ereignisse dieses Hauptteils auf dem Weg nach Jerusalem bzw. in Jerusalem selbst statt.

Insgesamt ist Markusevangelium ausdrücklich an eine heidnische – im speziellen römische – Leserschaft gerichtet, denn der Evangelist erklärt und übersetzt viele jüdische Gewohnheiten bzw. Begriffe. Markus‘ Ziel ist es, seiner Leserschaft Jesus Christus als den treuen und vollkommenen Knecht Gottes darzustellen, der bedingungslos tut, wozu Gott ihn berufen hat. Dementsprechend betont Markus in seinem Evangelium die Taten Jesu und überliefert deutlich weniger Reden Jesu, als die anderen Evangelien. Durch das Markusevangelium sollten besonders römisch-geprägte Menschen zum Glauben an Jesus kommen (wie der Hauptmann in Mk 15,39), aber auch römisch-geprägte Christen im Glauben erbaut werden und lernen, wie sie Jesus im Vertrauen dienen können. Daraus ergeben sich auch zwei Leitfragen für uns, wenn wir dieses Evangelium lesen:

  1. Wie zeigt sich Jesus hier als der treue Diener Gottes?
  2. Wie kann ich im Vertrauen auf Jesus Gott treu dienen?

Schlüsselvers: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.“  (MK 10,45)


Die Apostelgeschichte

Die Apostelgeschichte schildert die Entstehung der Gemeinde Jesu,  sowie ihr Zeugnis gegenüber ihrer Umwelt und ihr erstaunliches Wachstum. Dieses Buch macht die Kontinuität und Verbindung vom Leben und Dienst Jesu einerseits zum Leben und Dienst der Gemeinde andererseits deutlich. Dass die Sache Jesu in der Form der christlichen Gemeinde weiterlebt, ist kein historischer Zufall oder gar Irrweg, sondern von Gott so geführt. Insofern baut die Apostelgeschichte auch eine Brücke zwischen den Evangelien und den Briefen des Neuen Testaments. Durch die Apostelgeschichten sollen Gemeinden (bis zum heutigen Tage) ermutigt werden, in der Kraft des Heiligen Geistes, Zeugnis für Jesus abzulegen.

Die Apostelgeschichte ist der zweite Teil des sogenannten lukanischen (d.h. von Lukas geschriebenen) Doppelwerks. Woher wissen wir das? Sowohl das Lukasevangelium als auch die Apostelgeschichte ist an Theophilus adressiert (vgl. Lk 1,3 + Apg 1,1). Beide Bücher müssen also von demselben Autor stammen. Aufgrund der sogenannten „Wir“-Stellen in der Apostelgeschichte (Apg 16,10-16, 20,5-21,18, 27,1-28,16) können wir schließen, dass der Verfasser ein enger Mitarbeiter von Paulus war. Dafür kommt am ehesten Lukas, „der geliebte Arzt“ (Kol 4,14) infrage, der bei Paulus war als dieser den Kolosserbrief schrieb und später seinen Märtyrertod erwartete (2Tim 4,6-8.11). Auch die altkirchliche Überlieferung nennt seit frühesten Zeiten diesen Lukas als den Autor der Apostelgeschichte.

Vom Aufbau lässt sich die Apostelgeschichte in drei Teile gliedern: Apg 1,1-8,3 beschreibt das Zeugnis der Urgemeinde Jerusalem. Hier lesen wir von Geburt und Wachstum der Gemeinde Jesu, aber auch schon von Verfolgungen und Anfechtungen. Apg 8,4-12,25 schildert das Zeugnis der Urgemeinde zu Judäa, Samarien und Syrien. In diesen Kapiteln lesen wir, wie sich der christliche Glaube weiter ausbreitet. U.a. wird uns der Dienst von Philppus und Petrus nähergebracht, aber auch die Bekehrung des Paulus. Im dritten großen Hauptteil in Apg 13,1-28,31 wird uns das Zeugnis der Urgemeinde zu Kleinasien, Griechenland und bis Rom berichtet. Die Botschaft von Jesus zieht also weiter Kreise, die organisierte Missionsarbeit beginnt (vor allem durch Paulus und seine drei Missionsreisen). Die Apostelgeschichte endet in der damaligen Weltstadt Rom. Gott hat durch Paulus – der zwar unter Hausarrest steht – das Evangelium bis ins Herz des Römischen Reiches gebracht. Entsprechend schließt die Apostelgeschichte mit den Worten: 30 Paulus aber blieb zwei volle Jahre in seiner eigenen Wohnung und nahm alle auf, die zu ihm kamen,  31 predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert.“ (Apg 28,30-31)

Neben Gemeinde und Mission gibt es noch andere Themen, die in der Apostelgeschichte stark betont werden: So spricht Lukas 54 Mal vom Heiligen Geist. Es fällt ferner auf, wie zentral die Auferstehung Jesu im Mittelpunkt der Verkündigung in der Apostelgeschichte stet und welch entscheidende Rolle auch dem Thema Gebet gewidmet wird. Entsprechend können wir uns bei der Lektüre der Apostelgeschichte fragen:

  1. Was lernen wir hier über Gemeinde und Mission?
  2. Welche Rolle spielt hier der Heilige Geist?
  3. Was bewirkt an dieser Stelle eigentlich das Gebet?

Schlüsselvers: „Aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“ (Apg 1,8)

 


 Der Hebräerbrief

Der Hebräerbrief ist das einzige Buch des Neuen Testaments, dessen Autor uns unbekannt ist. (Obwohl es in der Kirchengeschichte nicht an Vorschlägen gemangelt hat. So wurden z.B. Paulus, Barnabas, Lukas oder Apollos als Autoren vermutet). Dass der Hebräerbrief sich ganz eindeutig an eine überwiegend judenchristliche Leserschaft richtet, merkt man schon beim flüchtigen Lesen an den vielen Bezügen zum Alten Testament. So werden nicht nur wichtige Personen wie Mose, Aaron, Abraham, Josua, Gideon und viele andere genannt, auch der mosaische Bund und das alttestamentliche Opfersystem spielen für den Inhalt des Briefes eine bedeutende Rolle. Vermutlich wurde der Hebräerbrief ungefähr in den 60er Jahren des ersten Jahrhunderts geschrieben. Zum Abfassungszeitpunkt gab es jedenfalls noch den Tempel in Jerusalem (vgl. Hebr 10,11; 13,10-11) der 70 n. Chr. zerstört wurde, auf der anderen Seite nahm die Verfolgung der christlichen Gemeinde inzwischen zu.

Der Hebräerbrief ist in zwei große Teile zu gliedern: Im ersten Hauptteil (Hebr 1,1-10,18) macht der Verfasser die Größe, Erhabenheit und Einzigartigkeit von Jesus Christus deutlich. Er tut das, indem er Jesus Christus einerseits mit den Engeln vergleicht (Hebr 1,5-2,18) und ihn andererseits mit dem irdischen Opfersystem (Hebr 4,14-10,18) in Beziehung setzt. Beides übertrifft Jesus Christus bei weitem! Während der erste Hauptteil eher erklärenden bzw. lehrenden Charakter hat, zielt der zweite Hauptteil (Hebr 10,19-13,25) auf die Umsetzung ab. Um seine Leser zur ermutigen, führt der Autor in diesem Hauptteil das positive Beispiel der alttestamentlichen Gläubigen an (Hebr 11), erinnert daran, wie Jesus treu blieb (Hebr 12,1-2) und gibt auch zahlreiche praktische Hinweise (Hebr 12,28-13,19).

Das große Anliegen des Hebräerbriefes ist es, seine Leser davon abzubringen Jesus Christus zu verlassen und wieder in die alte Ordnung des Mose-Bundes zurückzukehren. Aus diesem Grund wird immer wieder betont, wie viel besser/erhabener Christus doch ist (Hebr 1,4; 6,9; 7,7.19.22; 8,6; 9,23; 10,34; 11,16.35.40; 12,24). Aus demselben Grund gibt es im Brief aber auch an mehreren Stelle ernste Warnungen (Hebr 2,1-4; 4,11-13; 6,4-8; 10,26-31; 12,25-27). Bei der Lektüre des Hebräerbriefes lohnt es zu fragen:

  1. Was lerne ich hier über die Einzigartigkeit Jesu Christi?
  2. Wie hilft mir das, was ich über Jesus gelernt und erkannte habe, treu an meinem Glauben an ihn festzuhalten? Wie kann ich andere ermutigen, das ebenso zu tun?

Schlüsselvers: Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so laßt uns festhalten an dem Bekenntnis.“ (Hebr 4,14)


 Der Galaterbrief

Der Galaterbrief war Martin Luthers Lieblingsbrief. Von ihm sagte er: „Der Brief an die Galater ist mein Epistelchen (d.h. Brief), dem ich mich anvertraut habe; er ist meine Käthe von Bora“ Dieser Brief war ihm so lieb und so ans Herz gewachsen wie seine Frau Käthe von Bora. Warum? Nun, weil in diesem Brief der Apostel Paulus voller Leidenschaft davon schreibt und dafür kämpft, was Luthers Kernanliegen war: das eine Evangelium von Jesus Christus, dass allein durch Gnade rettet.

Die Gemeinde in Galatien wurde durch den Apostel Paulus gegründet (Apg 13,13ff – ein zweiter Besuch des Apostels wird in Apg 15,36ff geschildert). Neben einigen Judenchristen bestand die Gemeinde vor allen Dingen auch aus Heidenchristen. Nur wenige Jahre nach der Gründung dieser Gemeinde, sah sich Paulus veranlasst, den Geschwistern dort einen warnenden und im Tonfall recht scharfen Brief zu senden. Vermutlich verfasste Paulus diesen Brief ca. 53 n. Chr. während er sich auf der 3. Missionsreise in Ephesus befand. Damit gehört der Galaterbrief zu den ältesten Paulusbriefen.

Welches Problem hatte Paulus nun zur Abfassung dieses Briefes getrieben? Anscheinend hatten sich einige Personen in die Gemeinde eingeschlichen, die den Galatern sagten, dass sich Gläubige beschneiden und an das Gesetz des Mose halten sollten. Paulus antwortet unmissverständlich: O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte?  2 Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?  3 Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr's denn nun im Fleisch vollenden?“ (Gal 3,1-3) Für Paulus war eine solche Lehre nicht nur ein kleiner, nebensächlicher Irrtum. Nein, er sah darin den Kern des Evangeliums gefährdet! Dass nämlich die Erlösung, aber auch die Heiligung, allein durch den Glauben an Jesus Christus durch Gottes Gnade geschenkt wird. Paulus wird deutlich: „Denn die aus den Werken des Gesetzes leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben: »Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, daß er's tue!«  11 Daß aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn »der Gerechte wird aus Glauben leben«“ (Gal 3,10f). Weil Paulus das Heil seiner Leser ernsthaft gefährdet sieht, darum also fordert er sie so entschieden auf, von dieser Lehre wieder Abstand zu nehmen und zum einen, wahren Evangelium (Gal 1,6ff) zurückzukehren.

Wie viele Paulusbriefe, so besteht auch der Galaterbrief aus zwei Hauptteilen. Im ersten lehrhaften Teil (Kap. 1-4) betont Paulus die Einzigartigkeit des wahren Evangeliums (1,1-10), gibt Einblick in seine Biographie und seinen Dienst (1,11-2,21) und legt scharfsinnig dar, auf welche Abwege derjenige gerät, der sich der Lehre der falschen Lehrer (3,1-4,32) anschließt. Der zweite Hauptteil (Kap. 5-6) ist praktisch orientiert. Paulus erklärt, welche Freiheit das Evangelium schenkt (5,1-15) und was es bedeutet „im Geist“ zu leben (5,16-26). Abschließend gibt er Hinweise für ein von der Liebe geprägtes Miteinander (6,1-18).

Bei der Lektüre des Galaterbriefes sollten wir folgende Fragen im Hinterkopf haben:

  1. Was lerne ich hier über die Einzigartigkeit des Evangeliums?
  2. Warum hat das Evangelium – durch die Gnade gerettet zu sein – eigentlich echte Kraft uns zu verändern? Und wie kann ich das noch mehr erleben, ohne in eine neue Gesetzlichkeit zurückzufallen?

Schlüsselvers:Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! (Gal 5,1)


 Der Jakobusbrief

Es ist kein Zufall, dass in unserem Bibelleseplan auf den Galaterbrief der Jakobusbrief folgt. Während im erstgenannten Brief die Erlösung allein durch den Glauben an Jesus Christus durch Gottes Gnade betont wird, setzt der Jakobusbrief einen anderen Schwerpunkt. Dieser Brief will uns deutlich machen, dass echter Glaube sich im persönlichen Leben durch gute Taten erweist. Aufgrund dieser unterschiedlichen Schwerpunkte haben manchmal Menschen einen Widerspruch zwischen beiden Briefen konstruiert. Dies ist allerdings nur ein scheinbarer Widerspruch, denn auch Paulus betont im Galaterbrief, dass dem Glauben gute Werken nachfolgen werden (Gal 5,22ff) und auch der Autor des Jakobusbriefs setzt Gottes gnädiges Wirken in der Erlösung voraus (Jak 1,18). Die Wahrheit ist also, dass wir Menschen die Botschaft beider Briefe brauchen. Wir brauchen den Galaterbrief, der uns so entschlossen zuruft, dass die Rettung allein durch Gnade kommt, damit wir nicht der Illusion verfallen, uns selbst retten zu können. Und wir brauchen die Botschaft des Jakobusbriefs, dass echter Glaube auch Früchte hervorbringt (so übrigens schon Jesus in Mt 7,16), damit wir nicht dem Irrtum der „billigen Gnade“ auf den Leim gehen. Es gibt eben immer zwei Gefahren: Gesetzlichkeit („Das Heil hängt an meinen guten Taten) und Gesetzlosigkeit („Mein Handeln spielt keine Rolle“).

Als Verfasser des Jakobusbriefs wird „Jakobus, ein Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus“ (Jak 1,1a) genannt. Nun war Jakobus ein häufiger Name und kommt auch im NT mehrfach vor. Viel spricht dafür, dass wir es hier mit Jakobus, dem Halbbruder Jesu (vgl. Mt 13,55) zu tun haben. Er war zunächst ungläubig (Joh 7,5), ist aber offenbar nach der Auferstehung Jesu gläubig geworden und wurde nach Gal 1,19 sogar zu den Aposteln gerechnet. Ferner war er mit Johannes und Petrus einer der Leiter der Jerusalemer Urgemeinde (Gal 2,9) geworden. Jakobus schreibt seinen Brief „an die zwölf Stämme in der Zerstreuung“ (Jak 1,1b). Mit dieser Formulierung sind Christen jüdischer Herkunft gemeint, die fern vom heiligen Land lebten. Man möge auch bedenken, dass zu Pfingsten als Petrus die erste große christliche Predigt hielt, zahlreiche Juden aus allen möglichen Ländern (Apg 2,9-11) zugegen waren. Manche, die Petrus Predigt hörten, kamen durch sie zum Glauben und nahmen diesen neuen Glauben nun auch mit in ihre Heimatorte. Die Christen an die Jakobus schreibt, könnten möglicherweise so von Jesus erfahren haben. Der Jakobusbrief ist vermutlich sehr früh – Mitte der 40er Jahre – entstanden und wahrscheinlich damit das älteste Buch im NT überhaupt. Wir sehen das daran, dass der Brief keine Probleme behandelt, die erst im Zuge der später angelaufenen Heidenmission (Apg 15) entstanden. Viel mehr dreht sich der Brief um grundlegende Dinge des christlichen Lebens, wie z.B. Freude in Anfechtung, Demut, Gebetserhörung, Barmherzigkeit, das Problem des Zorns uvm. Da diese Themen so allgemein und grundlegend sind, ist der Jakobusbrief für Christen aller Zeiten und Orte im höchsten Maße relevant!

Der Aufbau des Jakobusbriefs ist relativ simpel: In Kapitel 1 dreht sich alles rund um das Thema Anfechtung. Es folgen in Kapitel 2,1-13 Gedanken darüber, dass Christen die Person nicht ansehen sollten. Schließlich geht es in 2,14-26 um die Werke der Gerechtigkeit, in Kapitel 3 um die Kontrolle der Zunge und in Kapitel 4 um den Sieg über Götzendienst. Im letzten Kapitel 5 fordert der Autor zu Geduld – auch im Leiden – auf.

Bei der Lektüre des Jakobusbriefs sollten wir folgende Fragen im Hinterkopf haben:

  1. Welche der im Jakobusbrief genannten konkreten Probleme betreffen mich besonders?
  2. Welchen Rat gibt der Brief mir in Bezug auf diese Probleme? Wie will ich diesen Rat in meinem Alltag umsetzen?

Schlüsselvers:Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot. (Jak 2,26)


 Das Matthäusevangelium

Das Matthäusevangelium wurde vermutlich von Matthäus, dem Jünger Jesu, Ende der 60er Jahre verfasst. Vor seiner Berufung (vgl. Mt 9,9-13) war Matthäus ein Zöllner gewesen. Das Ziel des Mt ist es – besonders einer Leserschaft jüdischen Hintergrunds – Jesus als den verheißenen Messias darzustellen. Dies wird an den zahlreichen Zitaten aus dem AT deutlich. Die Leser sollen begreifen, dass Jesus von Nazareth tatsächlich derjenige ist, der vollkommen erfüllt, was die alttestamentlichen Schriften über den Messias vorausgesagt haben. (Bemerkenswert ist z.B. die immer wiederkehrende Formulierung „damit erfüllt würde“, vgl. Mt 1,22, 2,15, 2,23, 4,14, 8,17, 12,17, 13,35, 21,4, 26,56.)

Das Mt lässt sich wie folgt gliedern:

Kap. 1-4 berichten von der Vorgeschichte des Messias: seine Herkunft, die Vorbereitung auf ihn und seine persönliche Vorbereitung. Im nächsten Teil in Kap. 5-7, der sogenannten Bergpredigt, predigt der Messias die von ihm verlangte „bessere“ Gerechtigkeit (vgl. Mt 5,20). Jesus verschärft im Folgenden in mehreren Antithesen die Forderung des Gesetzes, das nicht nur äußerlich, sondern vom Herzen her erfüllt werden soll. Am Ende steht die radikale Folgerung: Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Mt 5,48). In Kap. 8-10 stellt der Verfasser durch Heilungen und andere Wunder die überragende Autorität des Messias dar. Jesus ist nicht nur der Messias des Wortes, sondern auch der Tat. Danach, in Kap. 11-23, wird uns berichtet wie sich die Stimmung im Volk langsam dreht und Jesus, der Messias, von weiten Teilen des Volkes abgelehnt wird. Es beginnt in Kap. 11 mit der vorsichtigen Nachfrage Johannes des Täufers, den leise Zweifel an Jesus beschleichen, der aber offen ist, sich überzeugen zu lassen. Und es gipfelt nach vielen Diskussionen am Ende in Jesu Klage über Jerusalem: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt!“ (Mt 23,37) In Kap. 24-25 steht sodann die zukünftige Rückkehr des Messias im Mittelpunkt, auf die man stets vorbereitet sein sollte, da sie unerwartet sein würde. Schließlich wird in Kap. 26-27 das stellvertretende Leiden und Opfer des Messias berichtet, der sein Leben willentlich zur Erlösung aller Gläubigen hingibt. In Mt 28 wird schließlich von der sieghaften Auferstehung des Messias berichtet. Im sogenannten Missionsbefehl (Mt 28,16ff) werden noch einmal die wichtigsten Themen gebündelt: Jesus von Nazareth ist tatsächlich derjenige, dem Gott die Vollmacht über das ganze Universum gegeben hat. In dieser Vollmacht beauftragt er die die Gemeinde, alle Völker zu Jüngern zu machen, indem sie getauft und in Jesu Lehre unterwiesen werden.

Charakteristisch für Mt sind sechs große Reden Jesu, die vor allem seine Tätigkeit als Lehrer hervorheben. So finden wir in Kap. 5-7 mit der Bergpredigt die wohl bekannteste Rede Jesu überhaupt. Ferner gibt es in Kap. 10 die sogenannte Aussendungsrede, in Kap. 13 die Gleichnisrede, in Kap. 18 die Gemeinderede, in Kap. 23 die Weherufe gegen Schriftgelehrte und Pharisäer und schließlich in Kap. 24-25 die Endzeitrede. Der Evangelist betont diese Reden zudem noch zusätzlich, indem er sie stets mit einer ähnlich lautenden Wendung abschließt (Mt 7,28, 11,1, 13,53, 19,1, 26,1).

Bei der Lektüre des Matthäusevangeliums sollten wir folgende Fragen im Hinterkopf haben:

1.       Inwiefern erfüllt Jesus Verheißungen des Alten Testaments?

2.       Welcher Aspekt von Jesu Lehre fordert mich persönlich besonders heraus?

3.       Wie stehe ich persönlich zu Jesu, der im Matthäusevangelium, als der verheißene Messias beschrieben wird?

Schlüsselvers:Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ (Mt 6,33)


 Der Römerbrief

Der Römerbrief ist der längste und bedeutendste Brief des Neuen Testaments. In ihm legt der Apostel Paulus eine relativ systematische Darstellung „seines Evangeliums“ vor. Aus diesem Grund hat der Römerbrief in der Kirchengeschichte eine beeindruckende Wirkung erzielt. Für zahlreiche Theologen wie Augustinus, Martin Luther, Johannes Calvin oder auch John Wesley war dieses Brief von zentraler Bedeutung. So erkannte z.B. Martin Luther durch das Studium von Röm 1,16-17, dass allein Gottes Gnade und nicht die guten Werke den Menschen vor Gott gerecht sein lässt – der wesentliche Gedanke, der zum Anstoß für die ganze Reformation wurde.

Der Apostel Paulus verfasste diesen Brief vermutlich während seiner dritten Missionsreise aus der Hafenstadt Korinth im Jahr 57/58 aus. Dafür spricht die Erwähnung der Phöbe, die zusammen mit dem Brief unterwegs war (Röm 16,1-2) und im Dienst der Gemeinde in Kenchreä stand, der Hafenstadt bei Korinth. Mit dem Römerbrief wollte sich Paulus mitsamt seiner Lehre der Gemeinde in der Welthauptstadt Rom vorstellen. Er wollte ihnen erklären, warum er bisher noch nicht ihre Gemeinde besucht hatte (Röm 15,20-22), ihnen mitteilen, dass er dies vorhabe (Röm 15,23-24) und dass er auf ihre Unterstützung für eine Weiterreise nach Spanien hoffe (Röm 15,24).

Der Römerbrief lässt sich in sechs Teile gliedern:

  1. Der Briefanfang (Röm 1,1-17), in dem Paulus eine Einführung in das Thema seines Briefes gibt, mit dem markanten und programmatischen Abschluss in 1,16-17.
  2. Der Kern des Evangeliums: Rechtfertigung durch Glauben (Röm 1,18-4,25). Paulus verdeutlicht zunächst die universelle Herrschaft der Sünde über alle Menschen (1,18-3,20) und erklärt danach, wie Gott den Sünder durch Glauben rechtfertigt (3,21-31) und veranschaulicht dies dann am Beispiel Abrahams (4,1-25).
  3. Die Folgen des Evangeliums: Wachstum in der von Gott geschenkten Gerechtigkeit (Röm 5,1-8,39). Paulus erklärt, dass durch Jesus Christus echter Friede mit Gott möglich ist (Röm 5,1-21). Er verdeutlicht ferner, wie der Gläubige durch die Rechtfertigung aus der Gefangenschaft der Sünde befreit ist (Röm 6,1-23) und dass er nicht länger an das Gesetz gebunden ist (Röm 7,1-25). Dieser Hauptteil schließt damit ab, dass es nun gilt „im Geist“ zu leben (Röm 8,1-39), der neues Leben geschenkt hat und ebenso der Unterpfand für das zukünftige ewige Leben in Herrlichkeit ist.
  4. Das Evangelium und seine Beziehung zu Israel (Röm 9,1-11,36). Paulus erörtert die schwierige Frage, wie Gottes Geschichte mit Israel weitergehen wird, da er Israel einerseits Verheißungen gegeben hat, der Großteil Israels aber andererseits das Evangelium bisher abgelehnt hat.
  5. Die Veränderungen durch das Evangelium (Röm 12,1-15,13). In den letzten Kapiteln gibt Paulus – wie in allen seinen Briefen üblich – eine Vielzahl konkreter, praktischer Anweisungen. Hier im Römerbrief liegt der Schwerpunkt darauf, zu zeigen, wie das Evangelium das Verhalten des gläubigen Christen total erneuert (Röm 12,1-2!) – z.B. im Hinblick auf den Dienst aneinander (Röm 12,3-8), gegenüber den weltlichen Herrschern (Röm 13,1-7) oder in der Bereitschaft der gegenseitigen Rücksichtnahme (Röm 14,1-15,13).
  6. Der Briefschluss (Röm 15,14-16,27). Paulus schließt seinen Brief ab, indem er seine Reisepläne mitteilt (Röm 15,14-33) und zahlreiche Grüße übermittelt (Röm 16).

Aus dem Römerbrief kann man unendlich viel lernen. Als Anregung mal nur zwei eher allgemeine Fragen, die man auf jeden Abschnitt anwenden kann:

  • Was lerne ich in diesem Abschnitt über das Evangelium der Gerechtigkeit Gottes?
  • Was folgt daraus für mich praktisch, wenn ich diese Sicht mir zu Eigen mache?

Schlüsselvers: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.  Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: »Der Gerechte wird aus Glauben leben.«“ (Röm 1,16-17)


 Der Epheserbrief

Der Epheserbrief ist einer der Briefe, die Paulus aus der Gefangenschaft – vermutlich aus Rom – heraus schrieb (vgl. Eph 6,20). In Rom war der Apostel zwar in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt (vgl. Apg 28,30-31), jedoch war er nicht unmittelbar vom Tod bedroht und hatte Möglichkeiten seinen Dienst fortzusetzen. Gut möglich, dass Paulus zur gleichen Zeit auch den Kolosser- und Philemonbrief schrieb und diese zusammen mit dem Epheserbrief durch Onesimus und Tychikus zu ihren Empfängern bringen ließ (Eph 6,21 und Kol 4,7 erwähnen Tychikus als Briefüberbringer und Kol 4,9 erwähnt, dass auch Onesimus dabei gewesen ist).

Das Thema des Epheserbriefs ist: Die Gemeinde – eine Idee Gottes. So schildert Paulus in diesem Brief, dass Gott die Gemeinde schon vor Grundlegung der Welt geplant hat, und wie er sich die Gemeinde vorstellt. Er schreibt, dass Christus das Haupt der Gemeinde ist und die Gemeinde der Leib Christi (1,21-22). Durch diesen Vergleich wird deutlich, wie wichtig Gott die christliche Gemeinde ist. Paulus macht deutlich, durch welche große Gnade Gott die Gemeinde aus ihren Sünden errettet hat (2,4-5) und dass Gott nun mit der Gemeinde ein Ziel hat (2,10; 4,15). Des Weiteren legt Paulus großen Wert darauf, dass in der christlichen Gemeinde im Geist Einheit herrschen soll (4,3), obwohl Gott einem jeden Gläubigen in einem verschiedenen Maße Gaben gegeben hat (4,7-8). Zahlreiche praktische Anweisungen für das Leben der Gläubigen in der Gemeinde runden diesen Brief ab (4,17-6,20). So ist der Epheserbrief ein wichtiges Lehrfundament für den Bau der neutestamentlichen Gemeinde.

Der Epheserbrief ist leicht zu gliedern: So gibt es zunächst einen lehrhaften Teil (Kap. 1-3) über Gottes Absicht mit seiner Gemeinde. Dieser zerfällt in fünf Einzelabschnitte:

1. Paulus preist Gott für die Erlösung durch Christus und sein Wirken unter den Ephesern (1,1-23)

2. Gott hat uns durch Gnade vom Tod zum Leben errettet (2,1-10)

3. Christus hat Einheit zwischen Juden und Heiden gestiftet (2,11-22)

4. Gott hat Paulus zum Apostel eingesetzt (3,1-13)

5. Das Gebet des Apostels für die Gemeinde (3-14-21)

Dem folgt ein zweiter, eher praktisch ausgerichteter Teil (Kap. 4-6) über Gottes Plan für das Leben in der Gemeinde und ihrer Glieder. Dieser lässt sich in vier Einzelabschnitte unterteilen:

1. Paulus mahnt zur Einheit im Geist trotz der Vielfalt, die Gott in die Gemeinde gelegt hat (4,1-16)

2. Paulus beschreibt den neuen Lebensstil von Gläubigen (4,17-5,20)

3. Paulus erklärt die „christliche Hausordnung“ (5,21-6,9)

4. Paulus fordert zum Anlegen der geistlichen Waffenrüstung auf (6,10-24)

Der Epheserbrief spricht zahlreiche aktuelle Themen des Glaubens an, so dass seine aufmerksame Lektüre wie von selbst praxisbezogen wird. Dennoch kann man beim Lesen folgende Fragen im Hinterkopf behalten:

  • Worin besteht aus Paulus Sicht das Besondere an der christlichen Gemeinde? Sehe ich das auch?
  • In welchem Lebensbereich bin ich herausgefordert von „Gottes Plan für das Leben der Gemeinde und ihrer Glieder“?

Schlüsselvers: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen.“ (Eph 2,8-10)


 Der Philipperbrief

Ebenso wie der Epheserbrief ist auch der Philipperbrief einer der Gefangenschaftsbriefe des Apostels Paulus. Im Gegensatz zum Epheserbrief wurde der Philipperbrief aber eher am Ende von Paulus Gefangenschaft in Rom – d.h. vermutlich 62 n. Chr. – verfasst. Denn im Brief finden sich mehrere Hinweise, dass das Urteil über Paulus demnächst fallen wird (Phil 1,18bff). Auch wenn noch offen ist, ob Paulus hingerichtet oder freigelassen wird, so rechnet Paulus eher mit Letzterem (Phil 1,25) – und so sollte es dann auch kommen.

Das Thema des Briefes – das man eigentlich nicht überlesen kann – ist die Freude! Paulus kann sich freuen, obwohl er in persönlich schwierigen Umständen lebt. So macht ihm nicht nur seine Gefangenschaft Kummer, sondern auch, dass seine Abwesenheit in den Gemeinden von einigen fragwürdigen Leuten zur Selbstdarstellung genutzt wird (Phil 1,15-17). Warum kann sich Paulus dennoch so freuen? Wie kann das sein? Paulus entfaltet im Verlauf des Briefes und warum und wie er dennoch Freude empfindet:

  • Freude, indem man die Welt aus Gottes Perspektive sieht 1,1-11
  • Freude, weil man für das lebt, was wirklich zählt 1,12-26
  • Freude, wenn man auch in Widerständen authentisch als Christ lebt 1,27-30
  • Freude, indem man sich an Jesu Demut und Selbstlosigkeit erfreut 2,1-11
  • Freude, indem wir uns schön für Gott machen 2,12-18
  • Freude über den Dienst anderer 2,19-30
  • Freude an der Gerechtigkeit die Christus schenkt 3,1-11
  • Freude, weil wir das Ziel im Blick behalten 3,12-4,1
  • Freude im Alltag bewahren und fördern 4,2-9
  • Freude, weil wir zufrieden sein können 4,10-20

Der Philipperbrief fordert uns also heraus, unser Leben – mit allen seinen Schwierigkeiten und Herausforderungen – aus der richtigen Perspektive zu sehen. Wir sollen lernen, dass in Christus echte Freude zu finden ist, die unabhängig von irdischen Umständen ist.

Folgende Fragen können wir bei der Lektüre bedenken:

  • Inwiefern weckt das in diesem Abschnitt Gelesene Freude in mir?
  • Zu welchem Perspektivwechsel bin ich aufgefordert, wenn ich noch keine Freude spüre?
  • Was an Jesus Christus und seinem Evangelium ist so wunderbar, dass ich mich freuen kann?

Schlüsselvers: Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ (Phil 4,4)


 Der Kolosserbrief gehört ebenso zu den Briefen, die Paulus aus der Gefangenschaft schrieb. Wer mehr zur Zeit und den näheren Umständen der Entstehung des Kolosserbriefs wissen möchte, sollte die entsprechenden Ausführungen zum Epheserbrief konsultieren. Die Gemeinde in Kolossä gehörte nicht zu den von Paulus gegründeten Gemeinden – ja er hatte von ihrem Glauben nur gehört (1,4) und kannte die meisten Gemeindemitglieder nicht persönlich (2,1). In Kolossä wirkte Ephahras (4,12-13), den Paulus als „lieben Mitknecht“ und „treuen Diener“ (1,7) bezeichnet. Er hatte vermutlich Paulus auch über die Irrlehre in Kenntnis gesetzt, die sich in der dortigen Gemeinde breitgemacht hatte.

Paulus verfasste daraufhin den Kolosserbrief, um vor dieser Irrlehre zu warnen. Er betont in seinem Brief die Erhabenheit und Einzigartigkeit Jesu Christi. Die Kolosser sollen verstehen, dass sie als Gläubige an Jesus Christus schon die „ganze Fülle“ haben (2,9-10). Der Glaube an Jesus allein ist vollkommen ausreichend. Es ist nicht nötig nach zusätzlicher Erkenntnis oder weiteren Glaubenserfahrungen zu streben. Tatsächlich ist es sogar gefährlich, sich den verführerischen zusätzlichen Glaubensinhalten dieser Irrlehre zuzuwenden. Wie nur wenige andere Schriften des NT betont der Kolosserbrief die Erhabenheit Jesu Christi und seine herausragende Stellung für den christlichen Glauben. Christen sollen „Jesus-Leute“ sein, d.h. sie sollen von ihm alles erwarten und in ihrer Nachfolge alleinb in ihm fest verwurzelt bleiben.

Der Kolosserbrief lässt sich in drei große Abschnitte gliedern:

1. Der Briefeingang: Paulus führt die Überlegenheit Jesu Christi vor Augen (1,1-2,5)

  1. Gruß, Dank und Fürbitte für die Gemeinde (1,1-14)
  2. Jesus Christus – der Erste in Schöpfung und Erlösung (1,15-23)
  3. Jesus Christus, das Geheimnis Gottes, in Paulus Dienst und dem Glaubensleben der Christen (1,24-3,5)

2. Der Hauptteil: Paulus fordert auf, den Glauben an Christi weiter zu leben (2,6-4,6)

  1. Das Hauptanliegen: Bleibt in Christus verwurzelt! (2,6-7)
  2. Lasst euch von Irrlehren nicht vom Weg abbringen (2,8-23)
  3. Lebt ein Leben, das auf Christus konzentriert ist (3,1-4,6)

3. Der Briefschluss: Grüße, Pläne…. (4,7-18)

Bei der Lektüre des Kolosserbriefs können wir uns mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Wie beschreibt, begründet und erläutert Paulus die Überlegenheit Jesu Christi? Wie kann man – vielleicht ausgehend vom Kolosserbrief – einem Nichtchristen verdeutlich, warum Jesus für uns Christen so eine zentrale Rolle spielt?
  • In welchen Situationen sind wir heutzutage in einer ähnlichen Gefahr wie die Kolosser – nämlich dem Glauben an die Person Jesu etwas hinzuzufügen?

Schlüsselvers: Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist.“ (Kol 2,9-10)


Der Philemonbrief gehört ebenso zu den Briefen, die Paulus aus der Gefangenschaft schrieb. Wer mehr zur Zeit und den näheren Umständen der Entstehung des Philemonbriefs wissen möchte, sollte die entsprechenden Ausführungen zum Epheserbrief konsultieren.

Der Philemonbrief ist der kürzeste und persönlichste aller Paulusbriefe. In ihm wendet sich der Apostel an Philemon mit der Bitte seinen entaufenen Sklaven Onesimus wieder aufzunehmen. Philemon war offenbar ein wohlhabender Christ in Kolossä, der durch den Dienst des Paulus (Phlm 19) gläubig geworden war. Die Gemeinde von Kolossä versammelte sich in seinem Haus (Phlm 2). Onesimus war ein aus Kolossä stammender Sklave (Kol 4,9) von Philemon. Offenbar war er seinem Herrn entflohen und nach Rom gereist. Dort ist er auf Paulus getroffen und durch sein Zeugnis zum lebendigen Glauben gekommen. Er wurde ein nützlicher Mitarbeiter des Paulus (Phlm 11.13). Dennoch war Paulus der Ansicht, dass es richtig sei, wenn Onesimus zurück zu seinem Herrn Philemon reisen würde (Phlm 12). Also reiste er zusammen mit Tychikus – und den drei Paulusbriefen (Eph, Kol, Phlm) im Gepäck – zurück nach Kolossä (Kol 4,7-9).

Der kurze Brief an Philemon kann folgendermaßen gegliedert werden:

  1. Gruß und Dankgebet Phlm 1-7
  2. Paulus Bitte für Onesimus 8-20
  3. Grüße und Briefschluss 21-25

Bei der Lektüre des Philemonbriefs können wir uns mit folgenden Fragen beschäftigen:

  • Wie beschreibt Paulus den Charakter und Glauben von Philemon?
  • Auf welcher Basis und mit welchem Argumenten formuliert Paulus seine Bitte hinsichtlich Onesimus?

Schlüsselvers: Wenn du mich nun für deinen Freund hältst, so nimm ihn auf wie mich selbst.“ (Phlm 17)


 Wie ein Vergleich zwischen Lk 1,1-4 und Apg 1,1-2 zeigt, wurde das Lukasevangelium vom ebenfalls vom Autor der Apostelgeschichte verfasst. Nach den sogenannten „Wir“-Stellen in der Apostelgeschichte (Apg 16,10-16, 20,5-21,18, 27,1-28,16) war dieser Verfasser ein enger Mitarbeiter von Paulus. Dafür kommt am ehesten Lukas, „der geliebte Arzt“ (Kol 4,14) infrage, der bei Paulus war als dieser den Kolosserbrief schrieb und später seinen Märtyrertod erwartete (2Tim 4,6-8.11). Auch die altkirchliche Überlieferung nennt seit frühesten Zeiten diesen Lukas als den Autor von Lukasevangelium und Apostelgeschichte.

Lukas verfasste sein Evangelium, um Theophilus über „den sicheren Grund der Lehre“ (Lk 1,4) des christlichen Glaubens zu unterweisen. Dabei war Lukas nicht der erste, der ein Evangelium verfasste (Lk 1,1). Er selbst war auch kein direkte Augenzeuge des Wirkens Jesu (Lk 1,2). Vielmehr hat er die Augenzeugen befragt und andere Erkundungen unternommen, um ein geordneten Bericht (Lk 1,3) über Jesu Leben zu verfassen. Lukas selbst versteht sich also als Historiker, der wahrheitsgemäß und sorgfältig über das berichten will, was „unter uns geschehen“ (Lk 1,1) ist.

Ein zentrales Thema im Lukasevangelium ist die Erfüllung von Gottes Plan. Was Gott vor langer Zeit seinem Volk Israel verheißen und in Aussicht gestellt hatte, wird jetzt durch das Leben und Wirken Jesu in dieser Welt erfüllt. Schon die Lobgesänge am Anfang des Evangeliums (Lk 1,54-55; 1,68-79; 2,29-32) betonen dieses Thema genauso wie die programmatische Rede Jesu in Nazareth (Lk 4,18-19). Besonders wichtig ist Lukas ferner das Thema der Erlösung, wie es in den Worten Jesu in Lk 19,10 besonders prägnant zum Ausdruck kommt: „Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lk 19,10) An unzähligen Stellen thematisiert Lukas, dass diese Rettung „heute“ da ist und dass sie gerade für diejenigen erfahrbar ist, die eigentlich weit weg von Gott waren (z.B. Lk 5,17-26; 7,48-50). In der Tat ist ein besonderes Anliegen des Evangelisten Lukas zu verdeutlichen, dass das Evangelium gerade auch den Heiden gilt. Schon der Stammbaum Jesu (Lk 3,23ff) – indem Lukas Jesu Linie zurück bis zu Adam (nicht zu Abraham) führt – zeigt seine universelle Bedeutung. Ebenso hat Lukas ein besonderes Herz für diejenigen, die gesellschaftlich am Rande stehen. An zahlreichen Stellen schildert Lukas wie Jesus mit den Armen (z.B. Lk 21,1-4), den Sündern (z.B. Lk 15,1-2; 19,7) und Frauen (z.B. Lk 7,36-50; 8,1-3) interagiert.

Das Lk lässt sich wie folgt gliedern:

Im ersten Hauptteil Lk 1,1-2,52 finden wir neben einem kurzen Vorwort des Verfassers (Lk 1,1-4), die sogenannte Kindheitserzählung (Lk 1,5-2,52). Hier wird uns nicht nur Jesus, sondern auch Johannes der Täufer nähergebracht. Schon im Abschluss dieses Teils – in Lk 2,41-52 wird Jesu Selbstverständnis deutlich (Lk 2,49b)!

Ein zweiter Hauptteil ist Lk 3,1-4,13, die Vorbereitung für den Dienst Jesu. Uns wird geschildert wie Johannes der Täufer Jesu vorangeht (Lk 3) und wie Jesus in der Wüste vom Teufel versucht wird (Lk 4,1-13), sich aber als treu erweist.

Der dritte Hauptteil Lk 4,14-9,50 beschreibt Jesu Dienst in Galiläa. Dieser Dienst ist von großer Popularität gekennzeichnet, auch wenn sich schon gewisse Diskussionen über seine Identität ergeben (Lk 7,1-8,3). Ferner fällt in diesen Teil die Berufung der Jünger (Lk 5,1-6,16) sowie ein längerer Lehrabschnitt (Lk 6,17-49).

Der längste Abschnitt ist der vierte Hauptteil in Lk 9,51-19,44 – Jesu sogenannte Reise nach Jerusalem. Ab Lk 9,51 ist für Jesus das Ziel Jerusalem (und damit seine Passion) das, was ihm vor Augen steht. Auch wenn Lukas in diesen Hauptteil noch zahlreiche Themen (über Jüngerschaft, Kontoversen über Jesu Identität, manche Gleichnisse…) einflechtet, so ist Jesus in alledem doch entschlossen und zielgerichtet unterwegs nach Jerusalem um sein Leben zu opfern.

Von diesen Ereignissen rund um Jesu Passion und Auferstehung berichtet dann der fünfte und letzte Hauptteil in Lk 19,45-24,53. Lukas macht zunächst deutlich, wie sich die Kontroverse um Jesus zuspitzt (Lk 19,45-21,4) und berichtet dann die sogenannte Endzeitrede Jesu (Lk 21,5-38). Danach schildert er das letzte Abendmahl und den Verrat an Jesus (Lk 22,1-38), sowie die Gefangennahme Jesu, seinen Prozess und seinen Tod (Lk 22,39-23,56). In Kap. 24 schließt das Evangelium mit dem Bericht von Jesu Auferstehung und Himmelfahrt.

Bei der Lektüre des Lukasevangeliums sollten wir folgende Fragen im Hinterkopf haben:

  • Wie zeigt Lukas, dass sich durch Jesu Kommen und Dienst Gottes Plan erfüllt?
  • Was lernte ich über die Erlösung und Rettung, die Jesus bringt?
  • Wie stehe ich persönlich zu Jesu, der im Lukasevangelium, als der Retter für alle Menschen beschrieben wird?

Schlüsselvers:Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lk 19,10)


In Apg 18 wird uns berichtet, wie Paulus während seiner zweiten Missionsreise in die Stadt Korinth kam. Korinth hatte eine günstige Lage, nämlich auf der Landenge, die die Halbinsel Peloponnes mit dem griechischen Festland verbindet. Durch seine zwei Häfen – Lechäon am Golf von Korinth Richtung Westen und Kenchreä am Golf von Aegina Richtung Osten – war Korinth zu einem wichtigen Umschlagsplatz des Handels geworden. Des Weiteren war Korinth eine Stadt die von extremen sozialen Gegensätzen geprägt war: auf der einen Seite waren zwei Drittel der Bevölkerung Sklaven, während es andererseits auch viele reiche Kaufleute und Großunternehmer aus aller Welt gab.

Paulus wirkte in Korinth ca. 1,5 Jahre und gründete die Gemeinde dort (Apg 18,11). Danach hatte Paulus der Gemeinde schon einmal einen Brief geschrieben (1Kor 5,9-13), der aber verloren gegangen ist. Später erfuhr Paulus von den „Leuten der Cloe“, dass in der Gemeinde Streitigkeiten aufgekommen waren (1Kor 1,11). Ihm war des Weiten zu Ohren gekommen, dass die Korinther schwere Unzucht in ihren Reihen duldeten (1Kor 5,1-2). Außerdem hatten die Korinther ihrerseits Paulus bereits einen Brief mit Fragen (1Kor 7,1) geschrieben. Aus allen diesen Gründen schrieb Paulus vermutlich 54 n. Chr. den 1. Korintherbrief während seines Aufenthaltes in Ephesus.

Inhaltlich dreht sich der 1. Korintherbrief um eine Reihe von Missständen, die in dieser jungen Gemeinde auftraten. Einerseits gibt es eine Menge an Konflikten untereinander – kein Wunder, wenn man bedenkt, von welchen sozialen Gegensätzen Korinth geprägt war.  Auf der anderen Seite neigten die Korinther zu gravierende faulen Kompromissen mit dem weltlichen Lebensstil ihrer Umwelt – auch das ist  nicht überraschend! Insofern ist der 1. Korintherbrief hochaktuell – zeigt er uns doch, zu was für einen Leben wir als Christen in einer Welt berufen sind, die völlig andere Maßstäbe kennt und wie wir Einheit und Gemeinschaft in der Gemeinde trotz großer Unterschiede  leben können.

Der 1. Korintherbrief kann so gegliedert werden:  

  1. Der Umgang mit Spaltungen in der Gemeinde Kap. 1-4
  2. Der Umgang mit Unzucht in der Gemeinde 5
  3. Der Umgang mit Streitfällen in der Gemeinde Kap. 6
  4. Der Umgang mit Sexualität, Ehe und Ehelosigkeit Kap. 7
  5. Der Umgang mit der persönlichen Freiheit am Bsp. des richtigen Umgangs mit Götzenopferfleisch Kap. 8-11,1
  6. Der Umgang für eine würdigen gemeinsamen Gottesdienst (Mann und Frau – Abendmahl) Kap. 11,2-34
  7. Der Umgang mit den Gaben des Geistes in der Gemeinde 12-14
  8. Der Umgang mit der Auferstehungshoffnung im Alltag Kap. 15
  9. Briefschluss mit Mitteilungen und Grüßen Kap. 16

Der 1. Korintherbrief behandelt eine Vielzahl praktischer Themen, aus denen sich viel lernen lässt. Folgende Fragen können uns allgemein bei der Lektüre leiten:

  • Welchen Kompromiss oder Fehler der Korinther thematisiert Paulus an dieser Stelle? Wo gibt es heutzutage die Gefahr, einen ähnlichen Fehler zu begehen?
  • Warum ist es so wichtig, diesen Kompromiss bzw. Fehler zu vermeiden? Wie kann das geschehen?

Schlüsselvers: Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?  Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben, denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr.“ (1Kor 3,16-17)


Zwischen der Abfassung des ersten und des zweiten Korintherbriefs liegen einige Ereignisse, die wir im Groben rekonstruieren können. Nach 2Kor 13,1-2 hatte Paulus die Gemeinde in Korinth ein zweites Mal besucht. Dieser Besuch war mit „Traurigkeit“ verbunden, denn Paulus musste die korinthische Gemeinde aufgrund ihres schweren Fehlverhaltens (vgl. 1Kor 5) scharf zurechtweisen. Vermutlich stieß er dabei auf heftigen Widerstand, so dass ein Konflikt zwischen der Gemeinde und dem Apostel entstand. Darum entschloss sich Paulus nach diesem zweiten Besuch noch in einem weiteren Brief an die korinthische Gemeinde zu wenden, dem sogenannten „Tränenbrief“, der uns leider nicht überliefert ist (2Kor 7,6-10). Dieser Brief verfehlte seine Wirkung nicht. Die Gemeinde tat Buße und korrigierte ihr Verhalten (2Kor 2,5-11). Allerdings gab es in Reihen der korinthischen Gemeinde nach wie vor Einzelne, die Paulus kritisierten oder ablehnten. Sie warfen ihm vor, fleischlich gesinnt zu sein und hielten ihn für einen schwachen Redner (2Kor 10,2.10). Unter diesen Personen waren auch falsche Lehrer, die Paulus persönlich angriffen, um sich eine Plattform für ihr falsches Evangelium zu schaffen. Aus diesem Grund verfasste Paulus nun seinen dritten Brief an die Korinther, unseren heutigen 2. Korintherbrief, indem er seine apostolische Autorität verteidigte (besonders 2Kor 10-12), damit die Korinther ihren Glauben alleine auf das reine und unverfälschte Evangelium gründen.

In der Beschreibung dieser Hintergründe sind schon einige inhaltliche Punkte dieses Briefes angeklungen. Darüber hinaus nimmt die Beschreibung des christlichen Dienstes breiten Raum ein (2Kor 3-7). Paulus beschreibt das Privileg dieses Dienstes, nennt aber auch seine Schwierigkeiten. Ferner definiert er, worum es im Kern dieses Dienstes wirklich geht und wie er ausgeübt werden soll.

In 2Kor 8-9 dreht sich um eine Kollekte die für eine notleidende Gemeinde gesammelt werden soll. Hier wird deutlich, dass Christen sich umeinander sorgen, dass sie sich von Gott beschenkt wissen und aus diesem Grund auch großzügig für andere da sein können.

Der 2. Korintherbrief kann so gegliedert werden:  

  1. Paulus erklärt seinen Dienst Kap. 1-7
    • Das persönliche Verhalten des Paulus Kap. 1-2
    • Der neutestamentliche Dienst Kap. 3-7
  2. Paulus wirbt um Spenden Kap. 8-9
  3. Paulus verteidigt seine apostolische Autorität Kap. 10-13

           

Bei der Lektüre des 2. Korintherbriefs können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Was lernen wir über den christlichen Dienst?
  • Auf welche Autoritäten gründen wir eigentlich unseren Glauben? Sind wir hier auf der richtigen Spur?

Schlüsselvers: Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus, daß er der Herr ist, wir aber eure Knechte um Jesu willen.“ (2Kor 4,5)


Der erste Timotheusbrief richtet sich – anders als die meisten anderen Paulusbriefe – nicht an eine oder mehrere Gemeinden, sondern mit Timotheus an eine Einzelperson. Timotheus wird im Neuen Testament an zahlreichen Stellen erwähnt. Er ist ein „Jünger“ (Apg 16,1) der von einer gläubigen, jüdischen Mutter und einem wahrscheinlich ungläubigen griechischen Vater abstammte. Über die Jahre wurde Timotheus zu einem wichtigen Mitarbeiter des Paulus (z.B. Röm 16,21, 1Thess 3,2). Dies zeigt sich auch daran, dass sechs Paulusbriefe Timotheus als Mitverfasser nennen. Paulus war bis zu seinem Tode eng mit Timotheus verbunden und hielt große Stücke auf ihn (er bezeichnet ihn als seinen „Sohn im Glauben“ 1Tim 1,2). Timotheus, der sehr viel jünger war als Paulus, wurde von ihm mit der Leitung der Gemeinde in Ephesus betraut (1Tim 1,3). Um ihm für diese Aufgabe konkrete Hilfestellung zu geben und neuen Mut zu machen, verfasste Paulus den 1. Timotheusbrief. Die Abfassungszeit wird auf 63-66 n. Chr. geschätzt. Der 1. Timotheusbrief gehört damit zu den letzten Briefen des Apostels Paulus.

Inhaltlich geht es im 1. Timotheusbrief vor allem um Fragen des Dienstes und der Gemeindeleitung. Das Anliegen des Apostels ist es, Gottes Ordnung für die christliche Gemeinde zu erklären. So betont Paulus, wie wichtig es ist sich von jeder falschen Lehre abzugrenzen und auf das wahre Evangelium zu fokussieren (1Tim 1). Außerdem gibt Anweisungen für die Anbetung der Gemeinde (1Tim 2). Im 1. Timotheusbrief finden wir ferner eine der Stellen, die sich am ausführlichsten mit den erwarteten Qualifikationen von Leitungspersonen in Gemeinden beschäftigen (1Tim 3). Im restlichen Brief gibt Paulus Timotheus dann Hinweise, wie er seinen Dienst ausüben (1Tim 4) und wie er mit unterschiedlichen Gruppierungen in der Gemeinde umgehen soll (1Tim 5-6).

Der 1. Timotheusbrief kann so gegliedert werden:

  • Paulus gibt Anweisungen für die Gemeinde Kap. 1-3
    • Warnung vor Irrlehre und persönliches Zeugnis des Paulus Kap. 1
    • Anweisungen für die Anbetung in der Gemeinde Kap. 2
    • Anweisungen für Älteste und Diakone Kap. 3
  • Paulus gibt Anweisungen für den Dienst des Timotheus Kap. 4-6
    • Anweisungen für den Umgang mit Irrlehre Kap. 4,1-7
    • Anweisungen für das persönliche Leben Kap. 4,8-16
    • Anweisungen für den Umgang mit unterschiedlichen Gruppen Kap. 5-6

           

Bei der Lektüre des 1. Timotheusbriefs können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Was lernen wir darüber, wie Gott sich Gemeinde vorstellt?
  • Was lerne ich für meine persönlichen Dienst als Christ?

Schlüsselvers: [Du sollst] wissen, wie man sich verhalten soll im Hause Gottes, das ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit.  (1Tim 3,15b)


Der zweite Timotheusbrief richtet sich – ebenso wie der erste Timotheusbrief – an Paulus Mitarbeiter Timotheus. Wichtig ist dieser Brief vor allem deswegen, weil er der letzte uns überlieferte Brief des Apostels Paulus – verfasst ca. 64-66 n. Chr. – ist. Paulus ist inzwischen wieder in römischer Gefangenschaft. Doch anders als bei seiner ersten Gefangenschaft in Rom (vgl. z.B. Phil 1,24-26), hofft er dieses Mal nicht auf seine Freilassung. Im Gegenteil erwartet Paulus seine Verurteilung und Hinrichtung (2Tim 4,6). In dieser Zeit musste Paulus die bittere Erfahrung machen, dass sich viele Zeitgenossen von ihm abwandten (2Tim 1,15). Der Apostel hofft, dass er wenigstens seinen engen Mitarbeiter Timotheus noch einmal sehen kann und fordert ihn deshalb auf, rasch zu ihm zu reisen (2Tim 4,21). Aus kirchengeschichtlichen Quellen wissen wir, dass Paulus schließlich tatsächlich durch Kaiser Nero in Rom hingerichtet wurde.

Inhaltlich handelt es sich beim zweiten Timotheusbrief um so etwas, wie das Vermächtnis des Paulus. Das was Paulus in seinem jahrelangen Dienst wichtig geworden ist, möchte er an seinen Mitarbeiter Timotheus weitergeben, damit dass durch ihn begonnene Werk fortgesetzt wird. So ruft Paulus den Timotheus auf, treu zum Evangelium zu stehen – auch in kritischen Zeiten (1,3-18). Er motiviert seinen Schüler außerdem, den Dienst mit Ausdauer und Entschlossenheit zu versehen, selbst wenn es Leiden und Entbehrungen bedeutet (2,1-13). Im zweiten Briefteil (Kap. 3-4) geht es dann besonders um den Umgang mit Widerständen im Dienst: Timotheus soll nicht überrascht sein, wenn er Widerstände erlebt, sondern auf sie – wie Paulus selbst – geduldig ertragen (3,1-13). Ferner unterweist Paulus den Timotheus im Hinblick auf die Wichtigkeit der Schrift (3,14-4,4) und verweist auf die Treue Gottes, mit der es auch schwerste Widerstände zu ertragen möglich ist (4,16-18).

Der 2. Timotheusbrief kann so gegliedert werden:

  • Paulus motiviert zur Treue im Dienst Kap. 1-2
    • Treue zum Evangelium Kap. 1
    • Dienst in Ausdauer und Entschlossenheit Kap. 2
  • Paulus gibt Hinweise zum Umgang mit Widerständen im Dienst Kap. 3-4
    • Mit Widerständen umgehen wie Paulus Kap. 3,1-13
    • Auf Widerstände mit der Schrift reagieren Kap. 3,14-4,4
    • Die Widerstände durch die Treue Gottes erdulden Kap. 4,5-22

           

Bei der Lektüre des 2. Timotheusbriefs können wir uns folgende Fragen stellen:

  • In welchen Punkten kann ich etwas von der Treue des Paulus lernen?
  • Wie gehe ich mit Widerständen gemeinhin um? Wie sollte ich es nach den Worten des 2Tim tun?

Schlüsselvers: Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.“ (2Tim 2,2)


Der Titusbrief gehört ebenso wie die zwei Briefe an Timotheus zu den sogenannten Pastoralbriefen. Diese Briefe behandeln vorranging Themen des pastoralen Dienstes und sind an Einzelpersonen gerichtet. Wie auch Timotheus, so war ebenso Titus ein enger Mitarbeiter des Apostels Paulus. Von seiner Herkunft her war Titus ein Grieche (Gal 2,3) und damit einer der ersten Heidenchristen, die einen wichtigen Dienst taten. Er begleitete Paulus bereits Ende der 40er Jahre mit Barnabas bei einer Reise nach Jerusalem (Gal 2,1-5). Später überbrachte Titus den sogenannten „Tränenbrief“ an die Gemeinde in Korinth (2Kor 7,6-8.13-14), der zur erfreulichen Umkehr dieser Gemeinde führte. Auch den zweiten Korintherbrief – Mitte der 50er Jahre – überbrachte Titus. In diesem Zusammenhang hatte Titus von Paulus auch die Aufgabe bekommen, in der Gemeinde Dienst zu tun und die Geschwister dort besonders auf die Spendensammlung vorzubereiten (2Kor 8,6). Einige Jahre später wurde Titus von Paulus beauftragt, die Gemeinden auf Kreta zu begleiten (Tit 1,5). Dass Titus auch in Paulus‘ letztem Brief – dem zweiten Timotheusbrief – erwähnt wird (2Tim 4,10) zeigt, dass er über viele Jahre ein enger und treuer Mitarbeiter des Apostels war. So verwundert es auch nicht, dass Paulus ihn „meinen Bruder“ (2Kor 2,13) oder „meinen rechten Sohn“ (Tit 1,4) nennt.

Im Titusbrief betont Paulus die gesunde Lehre, die es zum Aufbau vitaler Ortsgemeinden braucht. Er verweist z.B. auf die Notwendigkeit von Ältesten, die in der gesunden biblischen Lehre gegründet sind und diese gegen falsche Lehre verteidigen (Tit 1). Ferner gibt es eine Reihe Hinweise, was die gesunde Lehre inhaltlich für verschiedene Personengruppen bedeutet (Tit 2). Abschließend hebt Paulus hervor, dass gesunde Lehre stets zur Frucht führt (Tit 3).

Der Titusbrief kann so gegliedert werden:  

  1. Gegründet in gesunder Lehre 1,1-9
  2. Standhaft in gesunder Lehre 1,10-16
  3. Leben nach der gesunden Lehre 2,1-15
  4. Frucht durch die gesunde Lehre 3,1-15

           

Bei der Lektüre des Titusbriefs können wir uns folgende Fragen stellen:

  1. Gesunde Lehre – wie kann ich mich mehr von ihr prägen lassen?
  2. Gesunde Lehre – wo und wie kann ich sie weitergeben?

Schlüsselvers: Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen.“ (Tit 2,11)


Neben Paulus war der Apostel Johannes, Sohn des Zebedäus, einer der maßgeblichen Verfasser der neutestamentlichen Schriften: Drei Briefe, ein Evangelium und die Offenbarung stammen aus seiner Feder. Johannes gehörte zu den Jüngern Jesu und nahm zusammen mit Petrus und Jakobus eine besondere Stellung unter ihnen ein (z.B. bei der Verklärung Jesu in Mt 17,1ff). Johannes liegt beim letzten Abendmahl an der Brust Jesu (Joh 13,23) und ist ebenso Zeuge des Todes Jesu (Joh 19,35). Nach Pfingsten gehört Johannes zusammen mit Petrus und Jakobus zu den sogenannten „Säulen“, d.h. Leitern, der ersten Gemeinde (Gal 2,9). Später wurde Johannes auf die Insel Patmos verbannt (Offb 1,9), wo er die Offenbarung verfasste. Möglicherweise kam er danach wieder frei und wurde Leiter der Gemeinde in Ephesus. An verschiedenen Stellen der Bibel wird Johannes als der Jünger bezeichnet, den Jesus lieb hatte (z.B. Joh 19,23). Die Frucht dieser Liebe kann man deutlich in der besonderen Art und Weise spüren, in der Johannes in seinen Schriften von Jesus spricht.

Wann wurde der 1Joh verfasst? Dafür gibt es wenig Anhaltspunkte. Aber die meisten Ausleger nehmen an, dass dieser Brief – wie auch die anderen Schriften von Johannes – aus den 90er Jahren des 1. Jahrhunderts stammt. Damit gehören die johanneischen Schriften zu den jüngsten Schriften des Neuen Testaments. Johannes richtet sich mit seinen Worten an Christen (1Joh 3,2), und will ihnen Kriterien aufzeigen, anhand deren die Adressaten die Echtheit ihres Glaubens prüfen können.

Damit sind wir schon bei den inhaltlichen Schwerpunkten des Briefes angelangt. Johannes schreibt diesen Brief offenbar, um seine Geschwister vor falschen Lehrern und Propheten zu warnen (1Joh 2,18f; 4,1f). Die Christen sollen in die Lage versetzt werden, diese falschen Lehrer selbst beurteilen zu können. Aus diesem Grund nennt Johannes verschiedene Merkmale, die im Leben gläubiger Menschen vorhanden sein sollten (wie z.B. Gehorsam oder Bruderliebe). Auch den Empfängern selbst sollten diese Merkmale nützlich sein. Wenn sie diese Eigenschaften in ihrem Leben erkennen, so dürfen sie dies als Beweis von Gottes Wirken in ihrem Leben erkennen. Wenn diese Merkmale noch nicht so stark ausgeprägt sind, sollte es sie zur Selbstprüfung anregen, ob sie wirklich schon von ganzem Herzen an Jesus Christus glauben. Johannes gründet diese Merkmale, die Christen auszeichnen sollen, im Charakter Gottes. Weil Gott Licht und Liebe ist, sollen auch Christen ein Leben führen, das diesen Eigenschaften Gottes entspricht.

Der 1. Johannesbrief ist durch seinen etwas zirkulären Stil nicht so leicht zu gliedern. Der Aufbau ist aber etwa wie folgt:       

  1. Erkennt, dass Gott Licht ist! 1,1-2,6
  2. Folgt dem Gebot, im Licht zu leben! 2,7-17
  3. Bleibt beharrlich in der Wahrheit trotz Verführung! 2,18-3,10
  4. Strebt nach Heiligung – Liebe in Tat und Wahrheit! 3,11-4,6
  5. Lebt in der Liebe, weil Gott uns geliebt hat 4,7-5,3
  6. Bleibt im Glauben, der die Welt überwindet 5,4-21

           

Bei der Lektüre des 1. Johannesbriefs können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Inwiefern prägen mich die Merkmale, die nach Johannes einen Christen kennzeichnen sollten?
  • Was begeistert mich an der Art, wie Johannes uns Gott näherbringt?

Schlüsselvers: Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.“ (1Joh 1,5)


Der Verfasser des 2. und 3. Johannesbriefes stellt sich als der „Älteste“ (2Joh 1 und 3Joh 1) vor. Da der Sprachstil den anderen johanneischen Schriften stark ähnelt, ist davon auszugehen, dass auch diese beiden Briefe vom Apostel Johannes verfasst worden sind.

Im 2Joh wendet sich Johannes an „die auserwählte Herrin und ihre Kinder“. Mit dieser bildhaften Ausdrucksweise sind eine Gemeinde und die zu ihr gehörenden Christen gemeint. Diese Gemeinde hat mit Irrlehre zu kämpfen, die offensichtlich ähnlicher Natur ist, wie die Irrlehre, die im 1Joh thematisiert wird (2Joh 7-9 und 1Joh 2,18-23). Johannes will die Gemeinde ermuntern, weiterhin in der Wahrheit zu wandeln (2Joh 4) und auch in der Liebe zu leben (2Joh 5-6).

Der 2. Johannesbrief kann wie folgt gegliedert werden:

  1. Verfasser, Adressat und Gruß 1-3
  2. Ermahnung in Wahrheit und Liebe zu leben 4-6
  3. Warnung vor Irrlehre 7-11
  4. Schlussworte 12-13

Schlüsselvers: Und das ist die Liebe, dass wir leben nach seinen Geboten; das ist das Gebot, wie ihr’s gehört habt von Anfang an, dass ihr darin lebt.“ (2Joh 6)

Im 3Joh schreibt Johannes an seinen Freund und Bruder Gajus. In diesem Brief geht es ihm besonders um die Wahrheit (6x wird dieser Ausdruck erwähnt). Johannes schreibt um sicherzustellen, dass die ihm verbundenen Menschen in der Wahrheit verwurzelt bleiben (3Joh 4.) Er freut sich dabei über den Dienst des Gajus, der durchreisenden Brüdern stets Gastfreundschaft gewährt (3Joh 5-8). In 3Joh 9-12 führt Johannes mit Diotrephes und Demetrius zwei Beispiele – ein positives und ein negatives – auf und fordert Gajus auf, weiterhin das Gute zu tun.  

Der 3. Johannesbrief kann wie folgt gegliedert werden:    

  1. Verfasser, Adressat, Gruß und Anliegen des Briefs 1-4
  2. Freude über die Gastfreundschaft des Gajus 5-8
  3. Das Beispiel von Diotrephes und Demetrius 9-12
  4. Schlussworte 13-15

 

Schlüsselvers: Ich habe keine größere Freude als die, zu hören, dass meine Kinder in der Wahrheit leben.“ (3Joh 4)

           

Bei der Lektüre des 2. und 3. Johannesbriefs können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Was ist Wahrheit und was ist Liebe nach Johannes? In welchem Verhältnis stehen sie?
  • Was heißt es für mich praktisch in Wahrheit und in Liebe zu leben?

Auch vom Apostel Petrus sind uns zwei Briefe im NT überliefert. Sein erster Brief ist an die Fremdlinge in der Zerstreuung in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien adressiert. Gemeint sind damit Christen jüdischen Hintergrundes, die in fremden Ländern lebten. Schon zu Pfingsten waren viele Juden, die anlässlich des Festes nach Jerusalem gekommen waren, an Jesus gläubig geworden (Apg 2,7-11). Möglicherweise richtet sich Petrus‘ Brief an Gemeinden, die durch diese Menschen nach ihrer Rückkehr aus Jerusalem entstanden waren.  

Petrus schrieb diesen Brief um die Geschwister in ihrem Glauben zu stärken. Dies war dringend nötig, da sie unter ungerechter Verfolgung litten. Mitten in dieser Situation sollten sie die Hoffnung, die Jesus ihnen gibt, nicht vergessen. Dementsprechend betont Petrus in seinem Brief die Herrlichkeit des zukünftigen Erbes, das Christen verheißen ist. Dieses Erbe gibt ewige Freude, die das vorübergehende Leiden in den Schatten stellt (1Petr 1,6-8). Dadurch sollen die Gläubigen motiviert werden, auch in dieser schwierigen Zeit an Christus festzuhalten.

Auf der anderen Seite wollte Petrus die Adressaten unterweisen, wie sie in solch einer feindlichen Umwelt verhalten sollten, damit sie trotz allem ein gutes Zeugnis für den Glauben ablegen würden. Entsprechend enthält der 1Petr auch Abschnitte, die die Notwendigkeit eines geheiligten Lebens betonen (z.B. 1Petr 1,13ff), sowie konkrete Hinweise für das Verhalten in der Welt (1Petr 2,11ff) geben. Für Petrus folgt aus dem wertvollen Geschenk der Erlösung notwendigerweise das Streben nach einem geheiligten Leben (1Petr 1,18-19). Weil Christen eine besondere Berufung haben (1Petr 2,9-10), sollen sie dementsprechend Verhalten. Ferner enthält der 1Petr konkrete Anweisungen für bestimmte Gruppierungen in der Gemeinde (Sklaven, Frauen, Männer, Älteste). Charakteristisch für den 1Petr ist außerdem, dass immer wieder Jesus Christus – im Besonderen sein Leiden und Sterben – als Vorbild für Leben und Dienst der Gläubigen dargestellt wird.

Der 1. Petrusbrief kann wie folgt gegliedert werden.         

  1. Die Gläubigen sind beschenkt mit lebendiger Hoffnung 1,1-12
  2. Die Gläubigen sind berufen zu einem geheiligten Leben 1,13-2,10
    • Grund I: Bedenkt den Preis eurer Erlösung 1,13-25
    • Grund II: Bedenkt eure neue Identität 2,1-10
  3. Die Gläubigen sind beauftragt, zu einem weisen Verhalten in der Welt 2,11-3,22
    • Grundlegende Prinzipien 2,11-17
    • Anweisungen für Sklaven 2,18-25
    • Anweisungen für Frauen und Männer 3,1-7
    • Anweisungen die ganze Gemeinde 3,8-22
  4. Die Gläubigen sollen sich am Vorbild Jesu orientieren 4,1-19
  5. Abschließende Mahnungen an die Ältesten und die ganze Gemeinde 5,1-14

 

Bei der Lektüre des 1. Petrusbriefs können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Was bedeutet meine Berufung als Christ im Guten wie im Schweren nach dem 1Petrusbrief? Wie erlebe ich selbst das im Alltag?
  • Was kann mir Freude und Ausdauer schenken – auch in schwierigen Zeiten?

Schlüsselvers: „Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, 19 sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. (1Petr 1,18-19)


Johannes, der Apostel Jesu, gilt seit alters her als Verfasser des vierten Evangeliums. Es fällt auf, dass Johannes in diesem Evangelium niemals namentlich erwähnt wird (im Gegensatz zu Mt, Mk und Lk). Stattdessen ist die Rede von einem Jünger, den „Jesus lieb hatte“ (z.B. Joh 20,2). Im Evangelium wird deutlich, dass dieser Jünger wichtig war und genauen Einblick in den Dienst Jesu hatte. Vermutlich wollte sich Johannes als Verfasser nicht selbst hervorheben und wählte darum diese Umschreibung. Es bestehend weitgehend Einigkeit darüber, dass Johannes dieses Evangelium als letztes der vier Evangelien – ca. 80-90 n. Chr. – verfasste. Wer mehr über die Person des Johannes erfahren möchte, möge die Einführung in den 1. Johannesbrief lesen.

Schon dem flüchtigen Bibelleser fällt auf, dass sich das Johannesevangelium erheblich von den sogenannten synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus und Lukas) unterscheidet. Diese Unterschiede erschöpfen sich auch nicht in Stil und Sprache. So gibt es eine Reihe von Ereignissen, die nur Johannes berichtet. Auf der anderen Seite gibt es viele Ereignisse, die uns aus den synoptischen Evangelien bekannt sind, die Johannes nicht berichtet. Offensichtlich wollte der Apostel Johannes einen neuen, anderen Blickwinkel auf Leben und Dienst Jesu wählen.

Ein wichtiger Unterschied zu den anderen Evangelien ist z.B., dass im Johannesevangelium die Christologie, also die Lehre von der Person und dem Werk Jesu Christi, viel deutlicher zu Tage tritt. So stellt Johannes z.B. in seinem Evangelium acht besondere sogenannte Zeichen Jesu in den Mittelpunkt, die den Glauben an Jesus Christus als den Sohn Gottes, der für sündige Menschen gestorben ist, in den Lesern wecken soll. Diese Zeichen sind im Einzelnen:

  • Die Verwandlung von Wasser zu Wein auf der Hochzeit zu Kana Joh 2,1-11
  • Die Heilung eines kranken Sohnes Joh 4,46-54
  • Die Heilung des Kranken am Teich von Bethesda Joh 5,1-9
  • Die Speisung der 5000 Joh 6,1-14
  • Die Stillung des Sturmes Joh 6,15-21
  • Die Heilung des Blindgeborenen Joh 9
  • Die Auferweckung des Lazarus Joh 11
  • Die Auferstehung Jesu Joh 20

Den glaubensweckenden Zweck dieser Zeichen formuliert Johannes selbst am Schluss seines Evangeliums: Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. 31 Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,30-31)

Charakteristisch für das Johannesevangelium sind ebenso die „Ich-bin“-Aussagen Jesu:

  • „Ich bin das Brot des Lebens" Joh 6,35
  • „Ich bin das Licht der Welt" Joh 8,12; 9,5
  • „Ehe denn Abraham ward, bin ich“ Joh 8,58
  • „Ich bin die Tür" Joh 10,7.9
  • „Ich bin der gute Hirte" Joh 10,11.14
  • „Ich bin die Auferstehung und das Leben" Joh 11,25
  • „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben" Joh 14,6
  • „Ich bin der wahre Weinstock" Joh 15,1

Alle „Ich bin"-Aussagen von Jesus beziehen sich auf seine Gottheit (d.h. sie sind ebenso Bestandteil der expliziten Christologie des Johannesevangeliums). Die Juden haben Jesu Anspruch deutlich verstanden und wollten ihn deswegen töten (vgl. z.B. Joh 10,27-33).

Johannes hebt in seinem Evangelium ferner den Glauben (er verwendet dieses Wort ca. 100 Mal!) hervor. Johannes ist dabei besonders wichtig, dass Glaube etwas Aktives ist und die persönliche Aufnahme von Jesus Christus in das eigene Leben bedeutet: Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ (Joh 1,12) Wer an diesen Jesus Christus glaubt, bekommt Leben (ein weiteres wichtiges Stichwort im Johannesevangelium): Ein Leben, das ewig andauert (Joh 3,36) und das volle Genüge bietet (Joh 10,10). Zusammengefasst: Dem Johannesevangelium geht es also um den Kern der Sache: Wer ist Jesus, was hat er getan und was bedeutet es an ihn zu glauben. Dies herauszustellen und zum Glauben an Jesus zu rufen ist Johannes‘ großes Anliegen!

Das Johannesevangelium kann wie folgt gegliedert werden:        

  1. Der Prolog Joh 1,1-18
  2. Die Selbstoffenbarung Jesu in Wort und Tat Joh 1,19-12
    • Johannes der Täufer und die ersten Jünger Joh 1,19-51
    • Jesu früher Dienst: Zeichen, Werke und Worte Joh 2,1-4,54
    • Beginnender Widerstand gegenüber dem zunehmenden Dienst Jesu Joh 5,1-7,52
    • Höhepunkt der Konfrontation mit Jesus Joh 8,12-10,42
    • Auferweckung des Lazarus und Entschluss zur Tötung Jesu Joh 11
    • Einzug in Jerusalem und Ankündigung der Verherrlichung Joh 12
  3. Die Selbstoffenbarung Jesu durch Kreuz und Erhöhung Joh 13,1-20,31
    • Das letzte Abendmahl Joh 13,1-30
    • Die Abschiedsreden Jesu Joh 13,31-16,33
    • Das hohepriesterliche Gebet Jesu Joh 17
    • Der Prozess und die Passion Jesu Joh 18,1-19,42
    • Die Auferstehung Jesu Joh 20
  4. Der Epilog Joh 21

 

Bei der Lektüre des Johannesevangeliums können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Was lerne ich über Wesen und Werk Jesu neues? An welcher Stelle habe ich bisher zu „klein“ über Jesus gedacht?
  • Persönliche Glaube an Jesus, wie ihn das Johannesevangelium versteht: Gibt es ihn bei mir? Wo muss er noch wachsen?

Schlüsselvers: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“. (Joh 1,14)


Der 1Thess gilt als der erste im NT überlieferte Brief des Apostels Paulus, den dieser vermutlich ca. 51 n. Chr. während seiner 2. Missionsreise aus Korinth schrieb. In Apg 17,1-10 wird uns über den Hintergrund der Gemeinde in Thessalonich berichtet. Wir erfahren dort, dass Paulus in Thessalonich nur an drei Sabbaten predigte und das dies zur Bekehrung einiger Menschen führte. Wegen eines Aufruhrs musste Paulus die Stadt jedoch schnell wieder verlassen, so dass die jungen Christen notgedrungen sich selbst überlassen wurden. Paulus zog daraufhin weiter nach Beröa und Athen. Schon bald sandte der Apostel seinen Mitarbeiter Timotheus nach Thessalonich (1Thess 3,1-2), um sich nach dem Ergehen der Geschwister zu erkundigen. Timotheus kehrte mit einem positiven Bericht zu Paulus zurück (1Thess 3,6). Da Paulus selbst gehindert wurde, wieder nach Thessalonich zu reisen (1Thess 2,18), verfasste er diesen Brief.

Inhaltlich blickt Paulus in diesem Brief zunächst darauf zurück, wie die Thessalonicher die Botschaft des Evangeliums aufgenommen haben. Er ist zutiefst dankbar für ihren vorbildlichen Glauben, der bereits über ihren Ort hinaus Kreise zieht (1Thess 1,6-8). Der Apostel beschreibt ferner unter welchem Einsatz er seinen Dienst ausgeübt hat (1Thess 2) und zeigt sich erleichtert und dankbar über den positiven Bericht des Timotheus (1Thess 3). Selbstverständlich fehlt auch der Hinweis nicht, dass Christen gemäß ihrer Berufung nach Heiligung streben sollten (1Thess 4,1-12).

Ein besonderer Schwerpunkt liegt im 1Thess auf Endzeitfragen. Da es einige unter den Thessalonichern gab, die bereits verstorben waren, stellte sich die Frage, ob diese Geschwister keine Hoffnung haben, weil sie nicht bis zur Wiederkunft des Herrn gelebt haben. Paulus geht geduldig auf diese wichtige seelsorgerliche Frage ein (1Thess 4,13-17). Ein weiteres Problem war die Frage, nach dem Zeitpunkt der Wiederkunft des Herrn. Hier macht Paulus sehr deutlich, dass Jesus plötzlich wiederkommen wird und es darum angezeigt ist, jederzeit für seine Wiederkunft bereit zu sein.

Der 1Thess kann so gegliedert werden:      

  1. Wie das Evangelium die Thessalonicher erreichte Kap. 1
  2. Wie Paulus bei der Gemeindegründung diente Kap. 2
  3. Wie Timotheus über gute Entwicklung der Gemeinde berichtete Kap. 3
  4. Wie Paulus die Geschwister zur Heiligung aufruft Kap. 4,1-12
  5. Wie Paulus zwei Endzeitfragen beantwortet Kap. 4,13-5,11
  6. Allgemeine Ermahnung und Briefschluss Kap. 5,12-28

           

Bei der Lektüre des 1Thess können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Meine Entwicklung im Glauben – wofür bin ich dankbar, worin darf ich/sollte ich noch wachsen?
  • Spielt Jesu Wiederkunft in meinem Alltag eine Rolle? Wie sollte der Glaube daran mein Leben verändern?

Schlüsselvers: 9 Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott 10 und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet.“ (1Thess 1,9-10)


Der 2Thess wurde vermutlich von Paulus kurz nach dem 1Thess geschrieben. Die Endzeitfragen hatten sich für die Thessalonicher noch nicht erledigt. Aufgrund ihrer schwierigen Situation – sie erlebten offenbar schwere Bedrängnisse – dachten einige Gemeindemitglieder, dass der „Tag des Herrn“ schon gewesen sei (2Thess 2,2). Das hatte zur Folge, dass manche schon aufgehört hatten zu arbeiten (2Thess 3,6-12).

Paulus verfasste nun diesen Brief um klarzustellen, dass der „Tag des Herrn“ noch nicht angebrochen war. Er macht vielmehr deutlich, was zunächst davor geschehen muss und fordert die Thessalonicher nachdrücklich auf, sich nicht verführen zu lassen (2Thess 2,1-12).  Wichtig ist vielmehr der christlichen Berufung treu zu bleiben und in der Heiligung voranzuschreiten (2Thess 2,13-17).

In Kapitel 3 konkretisiert Paulus dieses Anliegen. Er ermahnt seine Geschwister, dass sie einen ordentlichen Lebenswandel führen sollen, der Jesus Christus ehrt und die Verbreitung des Evangeliums unterstützt (2Thess 3,1-16).

Außerdem tröstet Paulus die angefochtene Gemeinde, indem er sie daran erinnert, dass ihre Bedränger das gerechte Gericht Gottes erwartet (2Thess 1,6), sie aber die Herrlichkeit bei Jesus erleben werden (2Thess 1,7-10).

Der 2Thess kann so gegliedert werden:      

  1. Trost für die angefochtene Gemeinde Kap. 1
  2. Was dem „Tag des Herrn“ vorangehen muss Kap. 2,1-12
  3. Das Leben der Gemeinde vor dem Tag des Herrn Kap. 2,13-3,18

           

Bei der Lektüre des 2Thess können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Lebe ich in der Erwartung, dass die Wiederkunft Jesu dieser Welt, wie wir sie kennen, ein Ende bereitet? Was bedeutet das für mich?
  • Wie nutze ich die mir geschenkte – aber begrenzte – Zeit?

Schlüsselvers: „Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“ (2Thess 3,3)


Der 2Petr steht in keinem engen Verhältnis zum 1Petr – auch wenn er offenbar an den gleichen Empfängerkreis ging (2Petr 3,1). Während die Adressaten im ersten Briefs Trost und Ermutigung brauchten, da sie unter Verfolgung litten, brauchen sie bei der Abfassung des zweiten Briefs offenbar Erkenntnis, damit sie Irrlehrern und ihren Verführungen nicht erliegen. In diesem Fall droht der Gemeinde also die Gefahr nicht von außen, sondern von innen.

Welcher Art war die Irrlehre, mit der sich Petrus auseinandersetzte? Sein Brief weist darauf hin, dass diese Leute einen unmoralischen Lebensstil pflegten (Ausschweifungen, Habsucht, Ehebruch…, vgl. 2Petr 2,1-14) und auch die Wiederkunft des Herrn ablehnten (2Petr 3,4). Das Problem war, dass diese einflussreichen Lehrer nicht nur der Sünde auf den Leim gingen, sondern ihr unmoralisches Verhalten auch noch nur falsche Lehre zu rechtfertigen versuchten und so andere Geschwister zu ihrem verkehrten Lebensstil verführten (2Petr 2,2.18-19). Nach Petrus handelte es sich hier insgesamt gesehen also nicht um kleinere Irrtümer, sondern um ein grundlegendes und gravierendes Problem: „[Sie] verleugnen den Herrn, der sie erkauft hat.“ (2Petr 2,1). Im Brief fällt die drastische Sprache auf, mit der sich Petrus gegen diese Leute und ihre Lehre richtet. Wie Paulus (vgl. 2Tim) so versteht auch Petrus bei falscher Lehre keinen Spaß. Denn den Aposteln war völlig klar, dass bei falscher Lehre das ewige Heil auf dem Spiel steht (vgl. Mk 9,42-50). Statt der falschen Lehre auf den Leim zu gehen, sollen Jesusnachfolger stattdessen auf die apostolische Lehre achten, die zuverlässig ist (2Petr 1,16-21).

Interessant ist noch die Bemerkung des Petrus über die Paulusbriefe in 2Petr 3,15-16. Sie deutet darauf hin, dass Petrus diesen Brief zu einem relativ späten Zeitpunkt schrieb, an dem es schon die ersten Paulusbriefsammlungen in den Gemeinden gab.

Der 2Petr kann so gegliedert werden:         

  1. Im wahren Glauben reifen Kap. 1
  2. Gegen falsche Lehren geimpft 2
  3. Auf das Ziel ausgerichtet sein Kap. 3

           

Bei der Lektüre des 2Petr können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Erlebe ich Wachstum in meinem Glauben wie Petrus es beschreibt?
  • Prüfe ich Lehren anhand der Kriterien, die Petrus nennt?

Schlüsselvers: „Ihr aber, meine Lieben, weil ihr das im Voraus wisst, so hütet euch, dass ihr nicht durch den Irrtum dieser ruchlosen Leute samt ihnen verführt werdet und fallt aus eurem festen Stand. 18 Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Ihm sei Ehre jetzt und für ewige Zeiten! Amen.“ (2Petr 3,17-18)


Zur Zeit des NT war Judas ein sehr geläufiger Name, was allein schon die Tatsache veranschaulicht, dass im Jüngerkreis Jesu zwei Männer diesen Namen trugen. Außer ihnen erwähnt das NT noch weitere Personen mit diesem Namen. Wer verfasste nun den vorliegenden Brief? Der Verfasser des Judasbriefs gibt sich als ein Bruder des Jakobus (Jud 1) zu erkennen. Dieser Jakobus, der als bekannt vorausgesetzt wird, war wahrscheinlich Jakobus, der Halbbruder des Herrn. Er wurde, nachdem er nach Jesu Tod gläubig geworden war, ein wichtiger Leiter der Jerusalemer Gemeinde (z.B. Apg 12,17). Aus Mt 13,55 wissen wir, dass es einen weiteren Halbbruder Jesu gab, der den Namen Judas trug. Vermutlich schrieb er, der Bruder des Jakobus, diesen vorliegenden Brief.  

Inhaltlich gleich dieser Brief dem 2Petr stark, ist allerdings kürzer gefasst. Auch hier ist die christliche Gemeinde durch Irrlehrer, die sich eingeschlichen haben, bedroht. Judas fordert nun dazu auf, für den Glauben „der ein für allemal überliefert ist“ (Jud 4)  zu kämpfen. Er charakterisiert die Irrlehrer in scharfen Worten und lässt keinen Zweifel an ihren unlauteren Motiven (Jud 8-16).

Der Jud kann so gegliedert werden:

  1. Kämpft für den wahren Glauben Jud 1-3
  2. Widersteht den falschen Lehren Jud 4-16
  3. Lebt in der apostolischen Lehre Jud 17-25

           

Bei der Lektüre des Jud können wir uns folgende Fragen stellen:

  • Haben wir eigentlich noch einen Sinn dafür, dass falsche Lehren den Glauben bedrohen können? Wieso ist das so?
  • Was gehört unaufgebbar zu dem Glauben, „der ein für allemal überliefert“ ist und wie kann man das eigentlich definieren?

Schlüsselvers: „ Ihr Lieben, nachdem ich ernstlich vorhatte, euch zu schreiben von unser aller Heil, hielt ich’s für nötig, euch in meinem Brief zu ermahnen, dass ihr für den Glauben kämpft, der ein für alle Mal den Heiligen überliefert ist.“ (Judas 3)


Die Offenbarung hat als einziges apokalyptisches Buch im Kanon des NT sicherlich eine Sonderstellung. Manche finden dieses etwas rätselhafte und nicht ganz leichte Buch besonders faszinierend. Bei anderen wiederum fristet diese Schrift lediglich ein Schattendasein. Verfasser der Offenbarung ist der Apostel Johannes, der auf die Insel Patmos verbannt wurde (Offb 1,9) und dort den Inhalt dieses Buches empfing (Offb 1,1).

Wie können wir die Offenbarung nun verstehen? Es gibt im Wesentlichen drei verschiedene Auslegungsansätze:

  • Allegorischer, geistlicher oder bildlicher Ansatz

Die Texte der Offenbarung werden als Symbole des geistlichen Konflikts durch das Zeitalter der Gemeinde gedeutet. Ausleger die nach dieser Methode arbeiten, sehen als den Hauptinhalt der Offenbarung den permanenten Kampf zwischen der Kirche und dem Bösen während des gesamten gegenwärtigen Zeitalters. Die Offenbarung soll während dieser Zeit den geprüften Gläubigen Trost und Mut geben.

  • Historischer bzw. geschichtlicher Ansatz

Die Symbole in der Offenbarung beschreiben nach diesem Ansatz historische Ereignisse zwischen dem ersten und dem zweiten Kommen Jesu.

  • Einige Ausleger haben die Erfüllung hauptsächlich in der früheren Kirchengeschichte gesehen („präteristischer Ansatz“): Die Vertreter dieser Auslegungsschule sind der Meinung, dass die in diesem Buch berichteten Ereignisse bereits ihre Erfüllung in der frühen Kirchengeschichte gefunden.
  • Andere Ausleger verstehen die Erfüllung der Mehrheit der Offenbarung in der vergangenen Geschichte, aber sie sehen dennoch, dass einiges noch in der Zukunft liegt: Die Vertreter dieser Auslegungsmethode sind der Meinung, dass das Buch der Offenbarung die gesamte Spanne der Kirchengeschichte, von der Zeit des Johannes an bis ans Ende der Welt umfasst.
  • Futuristischer bzw. endzeitlicher Ansatz

Dieser Ansatz versteht fast alles in Kapitel 4-22 als endzeitlich.  In den Kapiteln 4-22 werden zwar viele Bilder erkannt, aber man geht davon aus, dass die beschriebenen Gerichte wirklich in der Endzeit geschehen.

Offb 1,19 wird oft als Auslegungsschlüssel für die Offenbarung betrachtet: „Schreibe, was du gesehen hast, und was ist, und was geschehen soll danach.“ 

Die Zeiträume, Personen und Ereignisse, die in Offenbarung 4-22 vorkommen, sind real zu verstehen, auch wenn Gleichnisse und Metaphern benutzt werden. Wie im Alten Testament Prophetien über Zeiträume, Personen und Ereignisse reale Erfüllungen hatten, so erwartet man, dass die Prophetien der Offenbarung von Johannes in gleicher Art und Weise reale Erfüllungen haben. 

Eine umfangreichere und kurz kommentiere Gliederung für die Offenbarung: 

  1. Prolog: Die Offenbarung Christi beim Auftrag an Johannes 1,1-20
  2. Die Offenbarung Christi an die sieben Gemeinden Asiens 2-3
  3. Die Offenbarung Christi über die Endzeit bis in die Ewigkeit 4-22
  • Gott und das Lamm auf dem himmlischen Thron 4-5

Johannes wird vom Geist ergriffen und in den Himmel geführt. Er sieht dort den allmächtigen Gott auf seinem Thron sitzend, wo er angebetet wird. Johannes sieht dort weiter ein versiegeltes Buch. Nur „das Lamm, das geschlachtet ist“, wird für würdig befunden, die sieben Siegel zu brechen und das Buch zu öffnen.

  • Die sieben Siegel 6-8,5

Johannes beschreibt was er sieht, als jedes der einzelnen Siegel vom Lamm geöffnet wird:

  • Sieg 6,1-2
  • Krieg 6,3-4
  • Hungersnot 6,5-6
  • Tod 6,7-8
  • Märtyrer 6,9-11
  • Katastrophen 6,12-17

Bevor das siebte Siegel beschrieben wird, sieht Johannes zwei Visionen:

  • 144000 von den Stämmen Israels, die von Gott versiegelt wurden 7,1-8
  • Eine unzählbare große Schar, die „aus der großen Trübsal“ gekommen sind 7,9-17

Die Öffnung des siebten Siegels bringt Stille im Himmel und führt die „sieben Posaunen“ ein.

  • Die sieben Posaunen 8,6-11,19

Johannes sieht nun die Katastrophen die über die Erde kommen, wenn die Engel jeweils in die Posaunen blasen:

  • Hagel und Feuer 8,7
  • Ein Berg stürzt ins Meer 8,8-9
  • Ein großer Stern fällt vom Himmel 8,10-11
  • Kosmische Veränderungen 8,12-13
  • Zerstörerische Heuschrecken 9,1-12
  • Eine große Armee 9,13-21

Vor der siebten Posaune kommt wieder eine Unterbrechung. Johannes sieht einen Engel mit einem Büchlein, das er verzehren soll (10,1-11) und zwei Zeugen, die weissagen, getötet werden und wieder auferstehen (11,1-14).

Die siebte Posaune (11,15-19) eröffnet das Lob Gottes für seinen Sieg und sein Gericht.

  • Sieben bedeutende Zeichen 12-14

Johannes berichtet nun von sieben bedeutenden Ereignissen:

  • Eine Frau gebärt einen Sohn 12,1-6
  • Ein Kampf im Himmel zwischen Michael und seinen Engeln mit dem Drachen, der als Satan identifiziert wird und aus dem Himmel geworfen wird 12,7-12
  • Ein Kampf auf der Erde zwischen Satan und der Frau und ihrem Kind 12,13-17
  • Die weltweite Anbetung eines Tieres, das aus dem Meer kommt 12,18-13,10
  • Die weltweite Machtausübung eines zweiten Tieres, das aus der Erde kommt 13,11-18
  • Das Lob des Lammes von den 144.000 14,1-5

Eingefügte Vision: Die Botschaft der drei Engel 14,6-13

  • Die Ernte der Erde durch den Menschensohn 14,14-20
  • Die sieben Schalen 15-16

Johannes sieht ein weiteres Zeichen: sieben Engel mit sieben Plagen (15,1). Die über das Tier gesiegt haben, singen Gott Loblieder (15,2-4), als die Engel mit den Zornesschalen aus dem Tempel kommen (15,5-8):

  • Böse Geschwüre 16,1-2
  • Meer wird zu Blut 16,3
  • Wasserströme- und quellen werden zu Blut 16,4-7
  • Versengende Hitze von der Sonne 16,8-9
  • Zerstörung des Reichs des Tieres 16,10-11
  • Die Austrocknung des Euphrats und das Versammeln von unreinen Geistern zur Vorbereitung der großen Schlacht von Harmageddon 16,12-16
  • Die Vollendung: endgültige Zerstörung 16,17-21
  • Der Sieg des allmächtigen Gottes 17-21,8

Diese Visionen beschreiben und feiern den Sieg Gottes in der Welt. Seine Herrschaft, die Johannes in Kap. 4 bereits im Himmel gesehen hat, wird jetzt in der Welt und der zukünftigen Welt manifestiert. Johannes zeigt sowohl das Gericht über die Bösen, wie auch Belohnung der Gerechten.

  • Enthüllung der großen Hure Babylon, „die große Stadt, die die Herrschaft hat über die Könige der Erde“ 17,1-18
  • Diese große Stadt, die Babylon genannt wird, wodurch an einen gottlosen Unterdrücker von Gottes Volk zu denken ist, wird verurteilt und zerstört 18,1-19,5
  • Johannes hört das Lob einer großen Schar, die zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen sind 19,6-10
  • Der Sieg über das Tier 19,11-21
  • Das Tausendjährige Reich (Millennium), in dem Satan gebunden ist 20,1-6
  • Das endgültige Gericht über Satan 20,7-10
  • Das Weltgericht vor dem großen weißen Thron 20,11-15
  • Johannes Vision von der neuen Welt 21,1-8
  • Das neue Jerusalem 21,9-22,9
  • Johannes sieht die Braut, die Frau des Lammes im Neuen Jerusalem, dessen Gestaltung und Ausmaße detailliert beschrieben werden 21,9-21
  • Johannes sieht, dass ein Tempel nicht mehr notwendig ist, weil Gott und das Lamm dort mitten in der Stadt sein werden 21,22-22,5
  • Johannes macht die Autorität seiner Vision deutlich 22,6-9

IV. Epilog: Johannes wird versprochen, dass die Botschaft seiner Visionen vertrauenswürdig ist 22,10-21

 

Schlüsselvers: „Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.“ (Offb 1,8)

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.



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